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Kultursenator Lederer besucht uns am letzten Gärtnertag 2018

Normal‘ ist dieser Gärtnertag nur insofern, als dass – wie immer im November – Unmengen an Laub zusammengefegt werden müssen. Ungewöhnlich ist allerdings, dass der Senator für Kultur und Europa und stellvertretende Bürgermeister höchstselbst sich auf die Niederungen der Graswurzel-Arbeit begibt, mit guter Laune und ausreichend Zeit für Gespräche. Aber es passt auch zu diesem Klaus Lederer, der trotz Amt und Würden die Bodenhaftung nicht verloren hat! Und es passt ebenfalls inhaltlich, und zwar in doppelter Hinsicht: der Arnswalder Platz ist ein Gartendenkmal, und Denkmalpflege ist Teil seines Zuständigkeitsbereichs. Und die Anlage und Pflege städtischer Parks und Gärten sind kein Provinzthema: sie sind Teil der europäischen Kultur, wie wir selber oft betont haben, z.B. auf der Veranstaltung ‚Sharing als Chance‘. Diese Kultur ist in Berlin in den Zeiten des Spardiktats unter die Räder gekommen. Und dies wörtlich: Bei den Straßen- und Grünflächenämtern hatte die Autofahrerlobby stets die Oberhand bei der Vergabe der Mittel.

Dr. Lederer hörte uns aufmerksam zu, als wir über das jahrelange Engagement so vieler auf dem Arnswalder Platz berichteten. Da wir – abgesehen von einer unzureichenden Zahl und mangelhaftem Design der Müllbehälter – momentan mit dem Zustand des Platzes und der Aufmerksamkeit, die er vom Grünflächenamt erhält, recht zufrieden sind, gab es hier keine Bitten um Unterstützung von uns.

Sehr bald gingen wir daher gemeinsam mit ihm zu unserem neuen Engagement-Schwerpunkt: dem Areal des Ehrenmals, das Berliner Grünverbände für die herausragenden Gestalter öffentlicher Gärten, Plätze  und Volksparks, Peter Joseph Lenné und Gustaf Meyer errichtet haben. Wir waren dort sehr angetan – von Dr. Lederers Entsetzen über dessen Zustand… Mehr…

Kleines Fest – schöner Erfolg: 5. Sommerfest ‚Stierisch gut‘

Am 1. September 2018 wurde auf dem Arnswalder Platz das 5. Sommerfest gefeiert. Organisiert wurde es von der ‚AG Sommerfest‘, eine der Arbeitsgemeinschaften von Pro Kiez Bötzowviertel e.V. (die GärtnerInitiative Arnswalder Platz ist ebenfalls eine AG des Vereins). Das Fest war kleiner als in Vorjahren, eher besinnlich bei guter Stimmung, mit einem durchgehenden Programm statt mehrerer gleichzeitiger, konkurrierender Acts, die sich zum Teil akustisch störten oder an Remmidemmi erinnerten. Uns urbanen Gärtnern gefiel’s, vielen Dank an die vorbereitenden Ehrenamtlichen!

Eröffnung durch den Bürgermeister

Eröffnet wurde das Fest vom Pankower Bürgermeister, Sören Benn (Linke). Er kam gerade, noch bewegt, von einer Veranstaltung an der Friedensglocke im Volkspark Friedrichhain und erinnerte uns an diesem Weltfriedenstag zunächst daran, wie glücklich wir uns schätzen können, seit Jahrzehnten in einem friedlichen Land zu leben. Er würdigte nachdrücklich die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement in einer lebendigen Demokratie als Ergänzung zum Handeln von Politik und Verwaltung. Aus gegebenem Anlass standen natürlich die Anerkennung der sozialen Verdienste von Pro Kiez im Vordergrund. Der Alt-Vorstandsvorsitzende – vom Moderator Steffen Siegmund als ‚Urgestein‘ angekündigt, stellte dann die Arbeitsgruppen vor – zu viele, um sie hier angemessen zu würdigen.

Stände und Programm

Bei den Ständen stellten sich die AGs von Pro Kiez vor und stießen auf lebhaftes Interesse. Unsere Initiative konnte ein Team von Leuten stellen, die kompetent über unser Engagement berichteten und einige neue MitmacherInnen warben. Vielen Dank für diese tolle Unterstützung an Katrin, Jenny, Annette und Frank!

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Auch für Leib und Magen war ausreichend versorgt: an einem Pro Kiez-Stand wurden selbst gebackener Kuchen und Salate verkauft, ein Getränkewagen sorgte dafür, dass keine Kehle trocken blieb, in einem mobilen ‚Mini-Haus‘ sorgte die Kulturmarkthalle für Kaffee und kreative Behaglichkeit, und bei der Fleischerei Erchinger stieg die gute Laune analog der Zahl der reißend verkauften Berliner- oder Bärlauch-Würstchen.

So gestärkt konnte man entspannt das Programm genießen. Die Kinder – und nicht nur sie – amüsierten und gruselten sich beim Clownstheater ‚Sti und Stu‘, die bekannte Kiez-Größe Lüül spielte mit seiner Gitarre auf, die Perkussionistinnen von ‚Bando Girasol‘ lieferten die angemessene musikalische Temperatur an diesem fabelhaften Spätsommertag, ein Chor von ‚Pro Kiez & Friends‘ und der allmontäglich probende Pro Kiez-Jedermann-Chor aus der Esmarchstraße (der natürlich auch jeder Frau offensteht) unterhielten mit einer Mischung aus Volkstümlichkeit, frecher Neckerei, weinseliger Fröhlichkeit und herzschmerzender Melancholie. Besonders beeindruckt waren wir von der beachtlichen Leistung der frisch aufspielenden Schulband des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums. Wir Website-Gestalter genossen später den Auftritt des Folk-Rock Duos Roy Wilde & Golda Heart als entspannte Stimmung verströmenden Abschluss.

Diskussion zu unserem aktuellen Schwerpunkt: Saubere Parks und Gärten

Hinter der im gedruckten Programm unkonkret angekündigten ‚Gesprächsrunde mit dem Bürgermeister‘ verbarg sich eine Diskussion zum Thema ‚Sauberkeit in Parks und Gärten‘. Auch hier war Bgm. Benn wieder auf dem Podium präsent, mit ihm Tino Schopf, unser per Direkt-Mandat ins Abgeordnetenhaus gewählter Volksvertreter und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Als Co-Autor des kommenden Berliner Abfallentsorgungs-Gesetzes war er voll im Thema. Ferner standen auf dem Podium Holger Goldbach, Leiter des BSR-Regionalzentrums Berlin Nordost; Sabine Opderbeck als Vertreterin von Pro Kiez und  der BewohnerInnen des Bötzowviertels; Carsten Meyer für die GärtnerInitiative Arnswalder Platz und Steffen Siegmund vom Pro Kiez Fest-Vorbereitungsteam als charmanter Moderator. Per Online-Voting-System konnten Festbesucher ihre Einschätzungen, Fragen und Anregungen zum Thema ‚Wie kann man Berliner Parks und Gärten sauberer machen?‘ artikulieren. Das hat prima geklappt. Die meisten Teilnehmer (78 %) fanden einen unverantwortlichen Umgang von Bürgern mit ihren Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum das Hauptproblem, aber an zweiter Stelle (58 %) wurde eine ungenügende Vorhaltung von Reinigungskapazitäten als Problem geäußert.

Bgm. Sören Benn stellte einen Ausbau der Parkpflege und Müllentsorgung in Aussicht. Er bat aber um Geduld, da es schwierig sei, geeignetes Personal zu finden. Grundsätzlich lobte er das Engagement der GärtnerInitiative für die Sauberkeit des Platzes, gleichwohl seien Parkpflege und Müllentsorgung ganz klar eine Aufgabe der Öffentlichen Hand respektive der Grünflächenämter. Tino Schopf stellte eine geringfügige personelle Verstärkung für die Grünflächenämter in Aussicht, um das ‚Littering‘-Problem zu reduzieren. In Berlin werden jetzt einhundert neue Kräfte bei den Ordnungsämtern eingestellt. Von diesen Stellen werden Pankow voraussichtlich neun zugewiesen, die dann vor allem als sogenannte „Waste Watchers“ die ordentliche Entsorgung von Abfall im öffentlichen Raum kontrollieren und ggf. Sanktionen verhängen sollen.

Holger Goldbach machte den Vorzug deutlich, den der Einsatz der BSR bei der Reinhaltung von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen hat: die BSR-MitarbeiterInnen können auch am Wochenende und im Bedarfsfall sogar nachts Müll entsorgen und fegen – für öffentlich Bedienstete wäre das (zumindest gegenwärtig noch) undenkbar. Einwände bezüglich des Einsatzes der orangefarbenen Abfallbehälter der BSR parierte er mit dem Hinweis, man habe auch zurückhaltendere Behälter im Angebot.

Entscheidungen hinsichtlich des Einsatzes der BSR auf dem Arnsi sind übrigens noch nicht gefallen. Wenn, dann geschieht das zunächst im Rahmen einer Erweiterung des gegenwärtig laufenden Modellprojekts. Wir von der GärtnerInitiative würden das sehr begrüßen!

Sabine Opderbeck würdigte die Verdienste der GärtnerInitiative für den Zustand des Arnswalder Platzes und betonte, wie wichtig es ihr als Anwohnerin ist, in der Nähe einer gepflegten Grünanlage zu leben. Sie hat ihren Beitrag dazu geleistet, indem sie selbst mitgegärtnert hat. Sabine Opderbeck kräftigte die Bedeutung, die ein solches Projekt auch für den sozialen Zusammenhalt im Kiez bedeutet.

Carsten Meyer bestätigte diese nachbarschaftliche Komponente und erinnerte daran, wie sehr der Platz durch den Mangel an Grünpflege und Reinhaltung zwischen dem Jahr 2010, als der erste Sanierungsabschnitt abgeschlossen war, und 2012 nicht nur gestalterisch, sondern damit einhergehend auch sozial abgeglitten war. Das bürgerschaftliche Engagement brachte mit der GärtnerInitiative den entscheidenden Wandel. Seitdem habe sich viel verbessert – und seit dem Besuch des Bezirksbürgermeisters bei der Aktion im Juli d.J.- sogar die Müllentsorgung, allerdings müssten kurzfristig unbedingt weitere Müllbehälter aufgestellt werden. Das Miteinander mit dem Grünflächenamt schilderte Meyer als seit geraumer Zeit sehr freundlich und konstruktiv.

 

Freude, Sorge, Hoffnung im August

Schlaglicht auf den dritten Samstag im August 2018: Ein Tag, an dem die Freude der versammelten ehrenamtlichen ‚Gärtnergemeinde‘ deutlich überwog. Da war zum einen die gute Laune bei den Gesprächen in der Kaffeepause, oft auch bei der Gartenarbeit selber.

Gefreut haben wir uns außerdem darüber, dass sich auf dem Platz endlich ‚etwas getan‘ hat. Die Sanierung des nördlichen Platzteils freut uns sowieso – wir berichteten. Hinzu kommt jetzt, dass nach Gesprächen mit Bezirksbürgermeister Sören Benn und Vertretern des BSR – jeweils vor Ort – der ‚Arnsi‘ sauberer geworden ist: das Grünflächenamt ist erkennbar aktiver geworden was die Leerung der Mülltonnen und die Reinigung des Platzes anbetrifft. Und wie von Zauberhand wurde der Plattenweg nahe der Pasteurstraße gereinigt, dessen ungepflegter Zustand uns ein Dorn im Auge war. Vielen Dank den mittelbar und vor Ort Beteiligten!

Erfreulich auch, dass zwei freundliche Schilder für die Internationale der Sprüher und Tagger einen Monat, nachdem wir sie aufgehängt haben, noch dort baumeln – und dass es keine Tags und Graffitis gibt, sogar an der bevorzugten Sprühwand zur Danziger Straße hin. Ist ‚Respekt‘ doch kein Fremdwort für die Sprüh-Gemeinde?

 

Nicht ganz so erfolgreich war die Aufforderung an die ‚lieben Kinder‘, während des Wässerns nicht in die Beete zu laufen – okay, gelaufen sind sie nicht, dafür aber splitternackt mit ihren Rädern ‘reingefahren. Ohje… Bei dem gegenwärtigen Grundschullehrer-Mangel kann man nur hoffen, dass sie noch Lesen und Schreiben lernen!

 

Zigarettenkippen und Kronkorken landen wie eh und je auf dem Boden. Auf der neuen – auf unseren Wunsch angelegten! – Oberfläche sind sie allerdings besser zusammenzufegen. Hoffentlich ändert sich das Verhalten der Raucher und Trinker, wenn erst das neue, u.a. von unserem Abgeordneten Tino Schopf initiierte Abfallgesetzt in Kraft tritt und ‚Waste Watchers‘ nach Wiener Vorbild ihre Runde drehen und Bußgelder verhängen. Wien wurde übrigens diesjährig zur Stadt mit der weltbesten Lebensqualität gekürt!

Amüsiert haben uns die gelben und roten Farbtupfer auf dem neu angelegten Areal – neben Sonnenblumen z.B. hier Cosmea und Kapuzinerkresse. Das Grünflächenamt vermutete, dass diese Garten-Guerilla-Aktion auf unsere Kappe geht. Mitnichten: wir respektieren das ursprüngliche Gestaltungskonzept uneingeschränkt. Aber, wenn wir ehrlich sind: den meisten von uns gefallen diese Farbtupfer.

Hoher Besuch im Juli ’18

Am 21. Juli 2018 besuchte uns der Pankower Bezirks-Bürgermeister Sören Benn (Linke), gut gelaunt, aufmerksam zuhörend. Dem Grünflächenamt war natürlich bekannt, dass er kommen würde, und – welch ein Zufall! – die Mülltonnen waren geleert worden und zeigten sich aufgeräumt und ansehnlich wie Erich Honeckers aufpolierte Protokollstrecke nach Wandlitz. Als kleines Korrektiv überreichten wir Herrn Benn eine Collage mit den überquellenden Behältern an einem stinknormalen Sommer-Samstag dieses Jahr, hier zu bewundern.

Der Bürgermeister war im Bilde und hatte auch unseren Müll-Flyer gelesen. So ging es schnell zur Sache: Mehr Abfallbehälter aufstellen –sah er ebenso als notwendig an, insbesondere im Gartenbereich hin zur Pasteurstraße (gegenwärtig zwei Tönnchen für zehn Bänke). Und: formschönere Behälter – auch Sören Benn zeigte kein Verständnis für diese Eimer mit den herausquellenden Müllbeuteln (nebenbei: diese Plaste-Müllbeutel sind zusätzlicher Plastikmüll). Und last but not least: höhere Leerungsfrequenzen sind notwendig – die Frage ist ‚nur‘: wie das zu organisieren ist. Alternativen:

Modell 1: Das Grünflächenamt leert häufiger. Illusorisch beim gegenwärtigen Personalbestand; für Wochenenden, wenn die Leerungen besonders zwingend erforderlich wären, gibt es zusätzlich tarifvertragliche Einwände.

Modell 2: Beauftragung der BSR, eigene (?) Mülltonnen aufzustellen und sie in höheren Frequenzen zu leeren. –  Anschließend an eine Begehung des Kollwitzplatzes mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am 16. Juli, bei dem die Ausweitung des Parkreinigungs-Auftrags an die BSR vorgestellt wurde, vereinbarten MdA Tino Schopf (SPD) und ich (Carsten Meyer) für den 1. August mit der BSR einen Ortstermin auf dem Arnswalder Platz zu genau diesem Thema. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt. Herr Bürgermeister Benn jedenfalls ist ‚alarmiert‘.

Wege-Pflege im 21. Jahrhundert: mit Besen und Kehrblech?

Ähnlich wie wir beim Aufsammeln von dem Verpackungsmüll streiken, der fein säuberlich unter überquellende Mülltonnen gestellt wurde – ein stiller Bürger-Protest gegen eine unfähige Entsorgungspolitik – , so streiken wir auch beim Fegen der gepflasterten Flächen, die im Handumdrehen von modernen Besenfahrzeugen (die BSR nennt sie ‚Lilliputz‘) gereinigt werden könnten. Zu oft schon tat uns nach dem Fegen der Rücken weh – vermeidbarerweise. Wir tun schon sehr viel – aber wir machen uns nicht zum Affen!

Bürgermeister Benn zeigte bei dem Rundgang auch dafür Verständnis. Seine Frage: hat das Grünflächenamt kein solches Reinigungsfahrzeug? Wenn nicht: sollte man es nicht anschaffen? Oder auch hier die BSR beauftragen? Die Fragen sind jetzt in der Pipeline. Und auch der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) liest diese Website… Die Wegereinigung wird ebenfalls Thema bei dem erwähnten Gespräch am 01.08.2018 mit der BSR sein.

NACHTRAG IM OKTOBER 2018: Die Entsorgungsfrequenz für die Müllbehälter durch das Grünflächenamt wurde nach dem Gespräch mit Bgm. Sören Benn erhöht, der Platz ist jetzt wesentlich sauberer und ‚ansehnlicher‘. Der beanstandete gepflasterte Weg wurde wie von Zauberhand einige Male picobello gefegt. Unsere diesbezüglichen ‚Streiks‘ sind damit natürlich hinfällig!! Und das Gespräch mit Herrn Holger Goldbach, Revierleiter des BSR-Regionalzentrums Nordost, am 1. August verlief äußerst verständnisvoll und konstruktiv. Weitere Schritte bezüglich der Übertragung von Pflegeaufgaben an die BSR liegen nun in den Händen der Politik. Dieses soll berlinweit schrittweise geschehen, basierend auf den guten Erfahrungen mit der BSR. Aber es wird Jahre dauern, u.a. da der Personalbestend nur peu à peu aufgebaut werden kann. Es sei denn, die Politik geht neue Wege, um aus dem großen Bestand der beschäftigungslosen Bewohner dieser Stadt zu schöpfen…

Roter Faden: Respekt

Die anderen mit Bürgermeister Sören Benn besprochenen Themen lassen sich unter der Überschrift ‚Respekt‘ zusammenfassen. Die wiederkehrenden Schmierereien an Mauern und am Brunnen sind respektlos gegenüber dem Denkmal und den Bürgern, die es genießen wollen. Deswegen fordern wir neuerdings von den international agierenden Taggern und Sprayern auf kleinen Plakaten Respekt ein. Ob’s fruchtet? Eine ähnliche Aktion gegenüber Blumendieben (in einem neu angelegten Beet an der Pasteurstraße wurden schon in der ersten Nacht Pflanzen geklaut) hat es geklappt, die Schilder standen für einige Wochen, es verschwanden keine Pflanzen mehr.

NACHTRAG IM OKTOBER 2018: Ausgerechnet auf dem Stadtteilfest am 1. September wurden die laminierten Schilder geklaut… Die neuen Schilder, die wir gleich anschließend wieder befestigten, existieren noch immer (Stand 24.10.18) – und es GAB KEIN GRAFFITI MEHR. Kann das Zufall sein?!?!

Respekt erwarten wir auch von der Verwaltung: die Müllsituation so eskalieren zu lassen, wie wir es auf dem Arnswalder Platz immer wieder beklagen mussten, ist gleichermaßen respektlos gegenüber dem Denkmal und den Bürgern. Und es zeugt auch nicht von Respekt von Behörden-Mitarbeitern, wenn sie konstruktive Bürgervorschläge zur Vereinfachung und bürgerfreundlichen Gestaltung von Verwaltungsvorgängen (Beispiel: überbordende Genehmigungsverfahren für Kinderflohmärkte auf dem Arnswalder Platz) schlicht wie Luft behandeln.

Einweihung des erweitert sanierten Arnswalder Platzes

Am Freitag, den 6. Juli 2018, fand anlässlich der Eröffnung des ergänzend sanierten Platzes eine kleine Feier statt. Es sprachen der Pankower Bau-Stadtrat, Herr Kuhn, Frau Lindstädt von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Herr Lingenauber vom Landesdenkmalamt und Herr Meyer von der GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Hier ein paar Bild-Impressionen von diesem Tag.

 

 

  

Alle Redner zeigten sich erwartungsgemäß mit dem Ergebnis sehr zufrieden und bedankten sich gegenseitig: Für das Erscheinen und die feierlich-freundlichen Worte des Stadtrats, für die kommunikative und kompetente Bürgerbeteiligung von Frau Benjamin, für die gute Arbeit der ausführenden Gärtner und Maurer, für das ehrenamtliche Engagement unserer Initiative. Es gab da auch ein paar dunkle Wolken am Himmel: die Erinnerung an die großflächigen Graffitis, die kurz vor Eröffnung noch entfernt worden waren, und unsere Klage über die bedrückende Verpackungsmüll-Situation auf dem Platz.

Diese wird uns noch beschäftigen – voraussichtlich verstärkt wegen der geringen Müllbehälter-Kapazitäten im erneuerten Gartensegment.

Dieses, unser aktuelles Schwerpunkt-Thema, wird uns auch bei unserem nächsten gemeinsamen Gärtnertermin am 21. Juli ab 13 Uhr beschäftigen: wenn uns unser Bezirksbürgermeister, Herr Sören Benn (Linke), einen Besuch abstattet. Wir erwarten ihn zu unserer traditionellen Kaffeepause – Gelegenheit für ein Gespräch über den Arnswalder Platz und ein bisschen über unseren ‚Gartenzaun‘ hinaus: z.B. zum Pflege- und Reinigungsmissstand in Pankower Grünanlagen – und nicht nur dort.

 

 

In öffentlichen Gärten einer Stadt sollte man … Frohsinn in weite Kreise tragen. Voraussetzung ist, dass diese Gärten sauber angelegt und sorgfältig unterhalten werden. (Erwin Barth, Gartenarchitekt, 1913)

Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert. (Peter Josef Lenné, Gartenkünstler, 1822)

Verfall von öffentlicher Gartenkultur

Am 19. und 20. Juni fand im Nicolaihaus in Mitte eine internationale Tagung statt. Unter dem Titel ‚Sharing als Chance‘ ging es um bürgerschaftliches Engagement bei der Erhaltung des europäischen kulturellen Erbes. Den Rahmen bildete das europäische Kulturerbejahre 2018, Veranstalter war die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Ergänzend zu Vorträgen und Foren stellten Initiativen engagierter Bürger an Infoständen ihre Arbeit vor – auch die GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Statt einer braven Selbstdarstellung hauen wir ein wenig auf die Pauke und zeigen den internationalen Besuchern ein dreckiges Berlin. Genauer: vermüllte Plätze und Grünanlagen, eine verbreitete Un-Kultur in der deutschen Hauptstadt, durch staatliche Nachlässigkeit geduldet. Wir alle wissen: diese Bilder sind keine Ausnahmen, sondern an warmen Sommertagen – verstärkt am Wochenende – die Regel.

Mit einem neuen Flyer, den wir in einer englischen und in einer deutschen Variante verteilten, stellen wir nicht nur das Problem dar und fordern mehr Engagement von Politik und Verwaltung, sondern machen auch Lösungsvorschläge für ein konzertiertes Maßnahmenbündel:

  • Zuweisung zweckgebundener Grünpflege-Mittel an die Bezirke
  • Bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Grünflächenämter
  • Größere und besser designte, Berlin-einheitliche Abfallbehälter (Raben- und Ratten-sicher, mit Fach für Zigarettenkippen und Abstellmöglichkeiten für Pfandflaschen)
  • Wesentlich häufigere Leerungen der Müllbehälter in Zeiten verstärkter Nutzung von Plätzen und Grün­anlagen, insbesondere an Sonn- und Feiertagen
  • Im Bedarfsfall Einsatz geschulter Park-Ranger, um Missachtung von Parkregeln (à Grillen, Entsorgung des Verpackungsmülls) rechtzeitig zu unterbinden
  • Freundliche Hinweise in Parks zur ordentlichen Müllentsorgung und Einsatz von Waste Watchers nach Wiener Vorbild (Verwaltung als Vorbild: zunächst Erledigung der drei vorgenannten Punkte!)
  • Finanzierung dieser Maßnahmen durch Verwendung von Einnahmen aus der Hotel-Übernachtungssteuer (City Tax) und Sondersteuer auf Einweg-Verpackun­gen sowie Pfandsystem für bestimmte Verpackungen
  • Förderung von Nachfüll-Bechern für To-Go-Getränke und biologisch abbaubaren Verpackungen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung: wiederholte Anti-Littering Kampagnen, Schul-Curricula und Unterrichtsmaterial zum Thema umwelt- und stadtverträglichen Umgangs mit Verpackungen

Leider war der Raum, in dem wir uns gemeinsam mit anderen Initiativen in dem weitläufigen Nicolaihaus präsentieren konnten, sehr abgelegen. Nur wenige Teilnehmer fanden den Weg zu uns. Eine erfreuliche Ausnahme war der Besuch von Gerry Woop, Staatssekretär bei Kultur- und Europaminister Klaus Lederer, der sich offen und interessiert für unser ‚Anti-Littering-Projekt‘ zeigte. Möge dies Interesse Früchte tragen!

 

Die Kinderflohmarkt-Posse

Lesen Sie nachfolgend die Realsatire um die Genehmigung der traditionellen Kinderflohmärkte auf dem Arnswalder Platz im Jahr 2018.. Sehr bedauerlich war, dass leitende Beamte beim Straßen- und Grünflächenamt auf unsere konstruktiven Vorschläge zur Vereinfachung und bürgerfreundlicheren Organisation der Verwaltungsvorgänge – bis hin zur Entwicklung eines Antragsformulars für die Nutzung des öffentlichen Raums – keine Stellung bezogen hatten. Auch nicht betreffs unserer Nachfrage, ob bestimmte Verwaltungsvorschläge nicht schlanker gestaltet werden könnten, z.B. wenn es um die Genehmigung von harmlosen Kinderflohmärkten geht: Acht behördliche Stellen müssen dazu Gutachten schreiben…

Genehmigung von  Kinderflohmärkten am Arnswalder Platz – eine Schildbürger-Posse der Verwaltung

Der traditionelle Kinderflohmarkt in der Bötzowstraße am Arnswalder Platz wurde für das Jahr 2018 nicht genehmigt. Dann aber doch. Der Weg zur Genehmigung wirft ein Schlaglicht auf Berliner Entscheidungsprozesse – und warum es mit dem neuen Flughafen nicht klappt. Stichwort: Verantwortungs-Diffusion.

Liebe Leserin, lieber Leser, strapazieren Sie für einen Moment Ihr inneres Auge. Was sehen Sie bei dem Begriff ‚Kinderflohmarkt‘ vor sich? Kommerzielles Treiben, Lautsprecherboxen, aus denen wummernde Bässe dröhnen, Grillrauchschwaden, Konsum von Speisen und Getränken, Müllhaufen aus Einwegverpackungen mit Essensresten als Rattenfutter – alles Dinge, die wir in Parks und auf Plätzen in Berlin allerorts erleben und die staatlich geduldet werden. Denken wir mal an den Volkspark Friedrichshain.

Oder sehen Sie beim Stichwort ‚Kinderflohmarkt‘ Tapeziertische und Decken vor sich, auf denen vergnügte Kinder für ein paar Cent ihre langweilig gewordenen Spielsachen und Kleidungsstücke, denen sie entwachsen sind, an andere Kinder weitergeben? Recycling, das Freude macht, statt dass die Sachen auf dem Müll landen?

Nun, mit dem zweiten Bild liegen Sie richtig. Aber beim Pankower Grünflächenamt sah man das – zunächst – offenbar ganz, ganz anders und knüpfte mühevoll und mit akribischen Begründungen einen gordischen Knoten. Ihn zu zerschlagen kostete viel Steuergeld, Zeit und Nerven von engagierten Bürgern, von Politik und Verwaltung und wirft die Frage auf: Geht’s auch anders?

Und dies sind die Schlingungen des gordischen Knotens:

Am 10. Oktober 2017 stellte Ronaldo dos Santos, Inhaber des beliebten Kiez-Cafés ‚Cafezinho‘ in der Bötzowstraße 41, beim Bürgeramt Pankow den Antrag auf die Genehmigung von sechs Kinderflohmärkten, beginnend am 8. April 2018 (sein Antrag ist hier verlinkt). Er reichte ihn persönlich dort ein und erhielt gleich bei der Antragstellung eine mündliche Absage mit Hinweis auf den für den Arnswalder Platz geltenden Denkmalschutz. Er versuchte es ein zweites Mal – mit dem selben Ergebnis.

Als auf dem Arnswalder Platz ehrenamtlich engagierter Stadtgärtner telefonierte ich am 5. April mit der für Sondergenehmigung zuständigen Sachbearbeiterin beim Grünflächenamt, Frau Reichelt. Auf ihre erneute Ablehnung hin schrieb ich ihr am 6. April eine Mail, mit der ich sie um eine schriftliche Begründung der Ablehnung bat (hier verlinkt).

Frau Reichelt wies in ihrer Antwort auf das Berliner Grünanlagengesetz hin, wonach öffentliche Grün- und Erholungsanlagen nur so benutzt werden dürfen, wie es sich aus der Natur der Anlage und ihrer Zweckbestimmung ergibt. Bezogen auf die Kinderflohmärkte schrieb sie: „Der Zweck, die Erholung der Bevölkerung, wäre durch diese Nutzung beeinträchtigt und entfremdet.“ Beeinträchtigt? Entfremdet??? Durch einen Kinderflohmarkt?? Außerdem müsse die Nutzung „schonend erfolgen, so dass Anpflanzungen und Ausstattungen nicht beschädigt, verschmutzt oder anderweitig beeinträchtigt und andere Anlagenbesucher nicht gefährdet oder unzumutbar gestört werden.“ Wie sollen die Kinder die Anlagen beschädigen, wo doch die Flohmärkte außerhalb der Anlage auf einer betonharten wassergebundenen Oberfläche und auf dem Gehweg stattfinden? Wie sollen sie die ‚Anlagenbesucher‘ gefährden? Wie sollen die sonstigen Platznutzer gestört werden – durch spielende Kinder? Außerdem müsse ein ‚überwiegendes öffentliches Interesse‘ für eine Genehmigung gegeben sein. Politische Parteien dürfen auf dem Arnswalder Platz – und auf ihm, nicht nur am Rande, wie beim Flohmarkt beantragt – ihre Veranstaltungen durchführen. Repräsentiert etwa eine einzelne Partei das ‚überwiegende öffentliche Interesse‘?

Eine ‚Folgenbeseitigung‘ müsse gesichert sein. Ja, selbstverständlich, und zur Absicherung hatte Herr dos Santos im Vorjahr eine Versicherungsgebühr in Höhe von ca. 500,- € entrichtet.

So resümiert die für Sondergenehmigungen zuständige Sachbearbeiterin beim Bezirksamt Pankow: „Ihre Anfrage zur kommerziellen Nutzung in Form eines Kinderflohmarktes ….in der Grün- und Erholungsanlage Arnswalder Platz wird als nicht genehmigungsfähig beurteilt und schließt sich somit aus.“ Das Verbot für solche ‚Handelstätigkeiten‘ (!!!) gelte auch für den angrenzenden Promenadenweg (der zum Platz gehört) und für den angrenzenden Gehweg. Wie wir alle wissen, werden in Berlin allerorts auf öffentlichen Plätzen, auch auf Gartendenkmalen, Veranstaltungen genehmigt, auf denen Bier, Wein und Nahrungsmittel angeboten werden – denken wir an das Sommerfest ‚Stierisch gut‘ mitten auf dem Arnswalder Platz oder die wochenlange Weinverkostung auf dem Gartendenkmal Rüdesheimer Platz. Sie finden ein Verbot der Kinderflohmärkte mit solchen Begründungen im Wortsinne un-glaublich? Dann finden Sie die gesamte Mail hier.

Ein Vorgesetzter von Frau Reichelt, Herr Wolf Sasse, der für den Bereich der Grünflächenpflege und Unterhaltung in Pankow zuständige Gruppenleiter, hatte vier Tage vor Frau Reichelts Versagung der Flohmärkte das Verfahren dargelegt, dass nach der zweimal mündlich erfolgten Absage auf den von Herrn dos Santos am 10. Oktober letzten Jahres gestellten Antrag zu erfolgen habe. Er legt dabei erstmalig die zu erfüllenden Antragsbedingungen dar. Es läuft auf einen erneut zu stellenden, detailliert begründeten Antrag hinaus. Der erste Flohmarktstermin war bereits für den 8. April beantragt worden, also schon nicht mehr realisierbar. Was sollte nach der nunmehr dritten Antragstellung für denselben Zweck geschehen? Herr Sasse: „Im Umlaufverfahren werden dann gem. der beantragten Nutzung alle relevanten Stellen beteiligt, in deren Zuständigkeit Teile der geplanten Nutzung fallen. (Umweltamt, Denkmalschutzamt, Neubau, Grünunterhaltung, Spielplatzunterhaltung, Straßenunterhaltung, Werkhof sowie die Grundstücksverwaltung, die alle Stellungnahmen zusammenfasst). Dies ist ein Standardverfahren, dass ohne ‘Abkürzungswege‘ durchlaufen werden muss…“ Haben Sie mitgezählt? Es sind 7 Stellen (in Worten: sieben), die Stellungnahmen zur Genehmigung des Kinderflohmarktes verfassen sollen und eine achte, die sich dem Studium dieser Stellungnahmen widmet und eine Zusammenfassung schreiben soll. Die Mail von Herrn Sasse ist hier dokumentiert.

Lieber Himmel, es geht um die Gestattung von Kinderflohmärkten, nicht um die Genehmigung eines Atomkraftwerks! Wundert es Sie bei einem solch komplizierten und personalintensiven Verfahren, dass große Teile von Berlins Verwaltung auf dem letzten Loch pfeifen und Projekte nicht fertig werden? Das Grundübel, das wir hier im Mikrobereich erleben, wirft ein Licht auf das große Ganze, etwa auf den nicht abheben wollenden Flughafen: Menschgemachte Verkomplizierung von Prozessen.

Zerschlagung des Knotens

Auf Empfehlung des Abgeordneten Tino Schopf wandte ich mich mit Hinweis auf unser Engagement für den Arnswalder Platz per Mail an Herrn Günter Schwarz  von der Abteilung Stadtentwicklung und Bürgerdienste und bat ihn, zur Lösung des Problems beizutragen. Nachdem Herr dos Santos bei ihm schließlich doch noch einen dritten Antrag gestellt hatte, nahm Herr Schwarz sich des Vorgangs an, kam zum Antragsteller, Herrn dos Santos, ins Café, sprach mit ihm, nahm die gegenüberliegende, für den Flohmarkt vorgesehene Fläche (siehe Foto) in Augenschein und leitete unverzüglich die Genehmigung ein. Zwei Tage später hielt Herr dos Santos sie in Händen. So kurz, so einfach, so pragmatisch.
Und so wirklichkeitsnah. Ja, für wen sind denn öffentliche Plätze da? Natürlich für Anwohner und andere Besucher, um sie – rücksichtsvoll und schonend! – zu ‚bespielen‘!!

 

Auch ohne, dass das von Herrn Sasse als verbindlich in Aussicht gestellte aufwändige Verfahren auch nur angeschoben wurde, hatten bereits folgende Personen Zeit und Energie in die Antragstellung investiert: Herr dos Santos selber, Frau Reichelt und Herr Sasse mit ihren Mails, und Personen aus Politik und Verwaltung, die ich eingeschaltet hatte: der SPD-Abgeordnete Tino Schopf, der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn, der Bezirksstadtrat für Umwelt und öffentliche Ordnung, Daniel Krüger und schließlich Herr Schwarz. Nicht zuletzt ich selber. Und nun haben noch Sie, liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen, bis hierhin durchgehalten – und das in einer Zeit der Short Messages und Tweeds, des ADS und der generell kurzen Aufmerksamkeitsspanne – Chapeau!! Aber wie will man Überkomplexität darstellen, ohne selber ein wenig komplex zu werden?!

Lösungsvorschläge

Wie ginge es einfacher? So: Die Antragsteller ziehen ein kompaktes Antragsformular aus dem Internet (ich habe 20 Minuten in einen hier verlinkten Entwurf investiert), eventuelle Fragen werden per Telefon oder notfalls vor Ort geklärt, danach schreibt die für Sondernutzungen zuständige Sachbearbeiterin ein kurzes Plädoyer, das sie zusammen mit der Antragstellung an die relevanten Stellen (m.E. sind maximal drei oder vier genug) weiterleitet. Wenn diese innerhalb einer kurzen Frist keine Einwände anmelden, wird das Vorhaben genehmigt bzw. entsprechend dem Plädoyer begründet versagt. Den Antrag schickt der Antragsteller wegen der erforderlichen Original-Unterschrift per Post oder reicht ihn persönlich ein, die weitere Kommunikation (z.B. das Zusenden von Fotos) kann per Mail erfolgen. Das alles ginge schon, bevor das lange angekündigte E-Government endlich Realität wird…

Ferner muss nach meiner Überzeugung das Berliner Grünanlagengesetz dringend novelliert werden. Es ist alles andere als bürgerfreundlich. Nur drei Zeilen beziehen sich auf Pflichten des Landes Berlin [§ 5 (1)], nämlich die Verkehrssicherungspflicht, 68 Zeilen dagegen auf die Eigenverantwortung und die Pflichten des Bürgers, einschließlich eines ausführlichen Ordnungswidrigkeiten-Katalogs (hier verlinkt, mit meinen Markierungen). Ich werde versuchen, Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses dafür zu gewinnen!

Haben Sie Ideen, wie man das Berliner Grünanlagengesetz demokratischer und bürgerfreundlicher gestalten könnte? Ich freue mich über Rückmeldungen, bitte per Mail an arnswalderplatz@hotmail.de. Ich werde Zuschriften an dieser Stelle veröffentlichen, außer, dass dies ausdrücklich nicht gewünscht wird.

Carsten Meyer

 

 

Impressionen vor der Einweihung des frisch sanierten Platzdrittels

Der zur Danziger Straße hin 2017/18 ergänzend sanierte Platzteil war noch nicht eingeweiht und umzäunt und mit den Hinweisschild ‚Betreten der Baustelle untersagt‘ versehen, da machte sich Ende Juni 2018 bereits seine asoziale Aneignung breit. Die Polizei war nicht präsent, und Videoüberwachung ist in Berlin ein höchst heikles Thema.

 

Andererseits bot die Platz-Ergänzung bereits einige schöne Impressionen:

 

 

Europäisches Kulturgut – verwahrlosen lassen?

Am 19. und 20. Juni fand im Nicolaihaus in Mitte eine internationale Tagung statt. Unter dem Titel ‚Sharing als Chance‘ ging es um bürgerschaftliches Engagement bei der Erhaltung des europäischen kulturellen Erbes. Den Rahmen bildete das europäische Kulturerbejahre 2018, Veranstalter war die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Ergänzend zu Vorträgen und Foren stellten Initiativen engagierter Bürger an Infoständen ihre Arbeit vor – auch die GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Statt einer braven Selbstdarstellung hauen wir ein wenig auf die Pauke und zeigen den internationalen Besuchern ein dreckiges Berlin. Genauer: vermüllte Plätze und Grünanlagen, eine verbreitete Un-Kultur in der deutschen Hauptstadt, durch staatliche Nachlässigkeit geduldet. Wir alle wissen: diese Bilder sind keine Ausnahmen, sondern an warmen Sommertagen – verstärkt am Wochenende – die Regel.

Mit einem aus Anlass der Konferenz entwickelten Flyer, den wir in einer englischen und in einer deutschen Variante verteilten, stellten wir nicht nur das Problem dar und forderten mehr Engagement von Politik und Verwaltung, sondern machten auch Lösungsvorschläge für ein konzertiertes Maßnahmenbündel:

  • Zuweisung zweckgebundener Grünpflege-Mittel an die Bezirke
  • Bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Grünflächenämter
  • Größere und besser designte, Berlin-einheitliche Abfallbehälter (Raben- und Ratten-sicher, mit Fach für Zigarettenkippen und Abstellmöglichkeiten für Pfandflaschen)
  • Wesentlich häufigere Leerungen der Müllbehälter in Zeiten verstärkter Nutzung von Plätzen und Grün­anlagen, insbesondere an Sonn- und Feiertagen
  • Im Bedarfsfall Einsatz geschulter Park-Ranger, um Missachtung von Parkregeln (Grillen, Entsorgung des Verpackungsmülls) rechtzeitig zu unterbinden
  • Freundliche Hinweise in Parks zur ordentlichen Müllentsorgung und Einsatz von Waste Watchers nach Wiener Vorbild (Verwaltung als Vorbild: zunächst Erledigung der drei vorgenannten Punkte!)
  • Finanzierung dieser Maßnahmen durch Verwendung von Einnahmen aus der Hotel-Übernachtungssteuer (City Tax) und Sondersteuer auf Einweg-Verpackun­gen sowie Pfandsystem für bestimmte Verpackungen
  • Förderung von Nachfüll-Bechern für To-Go-Getränke und biologisch abbaubaren Verpackungen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung: wiederholte Anti-Littering Kampagnen, Schul-Curricula und Unterrichtsmaterial zum Thema umwelt- und stadtverträglichen Umgangs mit Verpackungen

Leider war der Raum, in dem wir uns gemeinsam mit anderen Initiativen in dem weitläufigen Nicolaihaus präsentieren konnten, sehr abgelegen. Nur wenige Teilnehmer fanden den Weg zu uns. Eine erfreuliche Ausnahme war der Besuch von Gerry Woop, Staatssekretär bei Kultur- und Europaminister Klaus Lederer, der sich offen und interessiert für unser ‚Anti-Littering-Projekt‘ zeigte. Möge dies Interesse Früchte tragen!

Ein Pflanztag mit freundlichem Besuch

 

Fotos (2): Bernd Wähner

Unsere letzte größere Pflanzaktion lag schon drei Jahre zurück. Im Mai 2014 bepflanzten wir das Beet Pasteurstraße links (von der Straße aus gesehen) mit Stauden nach eigenem, mit dem Bezirk abgestimmtem Pflanzplan. Am 15. Juni 2013 hatten wir bereits mit einer privaten Spende das durch behördlichen Pflegemangel eingegangene Rosenbeet an der Brunnenstube neu bepflanzt. Eine solche Aktion, die einen ‚Ausbruch‘ aus der normalen Pflege- und Säuberungsroutine bedeutet, erfordert natürlich eine entsprechende finanzielle Ausstattung. Damals kam sie aus einem Topf, der aus Grün-Ausgleichsmitteln gespeist war, die die Firma REWE für die temporäre Nutzung der Werneuchener Wiese zu entrichten hatte.

Diesmal, zum 21.04.18, konnten wir aus einer Zuwendung in Höhe von 2.400 € schöpfen, die wir vom Verein der Freunde der Stiftung Denkmalschutz Berlin erhielten. Ziel von Verein und Stiftung ist es, zur Förderung der Denkmalpflege und der entsprechenden Bildung in Berlin beizutragen. Denn, so heißt es auf der Website des Vereins: „Die Pflege und Bewahrung dieses historischen Erbes ist ein wesentlicher Beitrag auch zur Identitätsstiftung mit Berlin.“

Warme Worte wechseln die Adressaten

Zu dem besonderen Anlass galt es natürlich, bei unserer Drei-Uhr-Kaffeepause einige anerkennende und dankende Worte zu sagen. So geschah es von Frau Birgit Jochens vom sponsernden Verein, von Frau Leane Benjamin – beim Grünflächen Pankow für den Bereich Neubau zuständig -, und natürlich von uns.

Frau Jochens machte deutlich, wie wichtig ihr und dem Verein das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern für den Erhalt und die Pflege von Denkmalen ist – also auch von Gartendenkmalen, und dankte uns für dieses Engagement. Frau Benjamin hob hervor, dass sich aus dem anfangs manchmal spannungsgeladenen Verhältnis zwischen den kämpferisch auftretenden ehrenamtlichen Gärtnern und dem Grünflächenamt mittlerweile eine sehr gedeihliche Zusammenarbeit entwickelt hätte. Sie betonte, dass aufgrund des Engagements der GärtnerInitiative dem Arnswalder Platz beim Grünflächenamt des Bezirks besondere Aufmerksamkeit zukäme. Das schlägt sich gegenwärtig auch in der forcierten denkmalpflegerischen Wiederherstellung des bislang unsanierten Platzdrittels nieder! Deren Wieder-Eröffnung (allerdings ohne die noch auszusäende Rasenfläche in der Mitte) stellte Frau Benjamin für Ende Juni in Aussicht.

Carsten Meyer von der GärtnerInitiative Arnswalder Platz schließlich dankte Frau Jochens und dem Verein der Freunde der Stiftung Denkmalschutz für die Zuwendung und die vertrauensvolle, freundliche Zusammenarbeit, und allen Mitgärtnerinnen und Mitgärtnern in fluktuierender Zusammensetzung, ohne deren tatkräftiges Engagement all das Geleistete nicht möglich gewesen wäre. Sein weiterer Dank ging an die MitarbeiterInnen des Grünflächenamtes, z.B. an Frau Gabriel, die für die zuverlässige Stellung der Grünschnittcontainer sorgt, und an Frau Benjamin und ihre ausgezeichnete Bürgerbeteiligung bei der Planung des nun in Sanierung befindlichen Areals. Kritisch bemerkte Carsten Meyer, dass sich die Anwohner zukünftig eine wesentlich bessere Entsorgung des an warmen Tagen herumfliegenden Verpackungsmülls wünschen, der dem Platz den Stempel der Vernachlässigung aufdrückt: mehr Müllbehälter und eine deutlich höhere Leerungsfrequenz der Müllbehälter zur Takeaway-Fastfood-Hochsaison.

Puh, Dankesreden geschafft, konnten wir uns über vier selbstgebackene Kuchen und selbstgebrauten Kaffee hermachen und für die nächste Arbeitsrunde stärken!

Besuch von Baustadtrat Kuhn

Gegen 17 Uhr besuchte uns noch der Pankower Bau-Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) und nahm sich Zeit für ein freundliches und ausführliches Gespräch mit uns. (Unserer Einladung für 15 Uhr konnte er nicht nachkommen, da er bereits anderweitig verplant war.) Er klagte über die mangelhafte Mittelausstattung für die Pflege und Instandhaltung von öffentlichen Grünanlagen und Kinderspielplätzen im Bezirk. Meyer brachte hier wieder einmal seine Forderung ins Spiel, die von Touristen erhobene Hotel-Übernachtungssteuer (‚City Tax‘) für die Pflege von Grünanlagen einzusetzen, da öffentliche Plätze und Grünanlagen viel von auswärtigen Besuchern genutzt würden und auch ein wichtiger Image-Träger für die Stadt seien. Dies erfordert allerdings entsprechende Beschlüsse des Abgeordnetenhauses – eine Forderung, die dann auch noch an den SPD-Abgeordneten des Bezirks, Tino Schopf, erging, der uns fleißige Gärtner auch noch kurz begrüßte.

Nicht nur schöne Worte – vor allem wurde gepflanzt, und wie!

Tausend bodendeckende Pflanzen (Efeu, Dickmännchen, Teppichknöterich und Schneestorchschnabel) hatten wir bestellt und es zwischen 11:00 und 18:30 Uhr auch wirklich geschafft, sie im Beet an der Hans-Otto-Straße einzupflanzen. Wir, das waren zehn Leute mit dem erforderlichen ‚grünen Daumen‘ und der notwendigen Sorgfalt, das Angepflanzte nicht gleich wieder niederzutrampeln… Wir stellten fest, dass das Wühlen in der Erde und gelegentlich etwas Small Talk mit dem Nachbarn richtig Spaß macht. Und angenehm ermüdend ist…

  

 

Weitere zehn Leute waren auf dem Platz verteilt anderweitig tätig: Vandalismus-Schäden beseitigen (einige Dumpfbacken hatten sieben Bierflaschen zertrümmert und den Inhalt eines Müllbehälters ausgekippt), den Müll neben den überquellenden Müllbehältern aufsammeln, aber auch rechen, fegen und Rosen zurückschneiden. Der Platz konnte sich hinterher wahrlich sehen lassen – bis über Nacht einige Hirnis einen prallvollen Müllsack aufschlitzten und seinen Inhalt dort verteilten. Guten Morgen, Berlin…

  

 

 

Sanierung und Zerstörung 2017 – Gleichzeitigkeit des Gegensätzlichen

Die nachfolgenden Bilder sind Momentaufnahmen vom 18. November 2017. Das erste Bild zeigt eine originale, reparierte und neu verfugte Klinkerwand auf dem in Sanierung befindlichen Platz-Abschnitt nahe der Danziger Straße, das zweite – kaum zu unterscheiden – eine neu gemauerte Wand mit dem gleichen teuren Wittmunder Torfbrandklinker, wie er hier in den 30er Jahren zum Einsatz kam. Die freundlichen Maurer, die hier arbeiten, von altem Schrot und Korn, verrichten ihr Werk mit traditionellem Handwerkerstolz.

Den ‚Respekt‘ eines Teils der heutigen Jugend vor einem Denkmal und vor dem Schaffen von Handwerkern dokumentieren die darauf folgenden Bilder. Die Bilder vom Brunnen und die vandalisierte Bank runden das Bild ab.

 

 

Viele Anwohner meiden einen solchen Ort, weil er nicht Freude, sondern traurig macht. Es wird nicht lange dauern, bis das Brunnenplateau ganz den Gangs überlassen wird, wenn nicht… ja wenn nicht, möglichst schnell, unter Einsatz von öffentlichen Geldern und aggressiver Reinigungschemie…
Bis die nächsten Jugendlichen mit der Spraydose ihr Revier markieren.

Wird das auch in Zukunft so bleiben? …müssen??!

 

Nachtrag 1. November 2018

Dass unsere laminierten Schilder Wochen, nachem wir sie aufgehängt hatten, noch dort hingen und es keine nennenswerten Graffitis oder Tags mehr gab, stimmt froh und optimistisch!