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Vandalen – die nervende Minderheit

Grünschnittverdichtung – ein Happening?

Angesichts eines warmen Vorfrühlings begannen wir die Gärtnersaison vorzeitig am 23. Februar 2019 bei bestem Wetter.

Am 16. März ließen wir uns auch von Regen die Petersilie nicht allzusehr verhageln!

Verhagelt wurde sie von destruktiven Kindern einer übersatten Gesellschaft, in der Respekt vor einem Grundkonsens und Wertschätzung für von anderen Geschaffenes bei so manchen verlorengeht.

Deren Beitrag zum Arnswalder Platz: Schmierereien, Beschädigungen. So mussten wir das Grünflächenamt in diesem Frühjahr wiederholt auf neue Graffiti am Stierbrunnen aufmerksam machen. Wir danken Frau Benjamin, dass sie die Beseitigung prompt veranlasst hat!

Wir selber kümmerten uns bei unserem Einsatz am 27. April um die Entfernung von sehr hartnäckigen Aufklebern in luftiger Höhe an den Leuchten – Frank Schubert und Pastor Pflug waren die Mutigen auf der hohen Leiter. Den für die Fontänen-Regulierung notwendigen Windmesser hatten die Vandalen gleich mitgehen lassen. Der Autor dieser Zeilen entfernte – so gut wie ihm mit Lösungsmitteln möglich – üble Schmierereien an der Informationstafel des Denkmalamtes an der Bötzowstraße.

Vandalismus hat gerade wieder ‚Konjunktur‘. Für das kommende Schuljahr wollen wir gemeinsam mit einer achten Klasse des Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums unter der Leitung des Klassenlehrers, Stefan Labenz, mit einem Projekt das Thema Vermüllung und Graffiti in öffentlichen Anlagen angehen, am Beispiel des Arnswalder Platzes. An Respekt vor dem öffentlichen Raum, selbst vor Gartendenkmalen, mangelt es in Berlin in erschreckendem Maße.

Kultursenator Lederer besucht uns am letzten Gärtnertag 2018

‚Normal‘ ist dieser Gärtnertag nur insofern, als dass – wie immer im November – Unmengen an Laub zusammengefegt werden müssen. Ungewöhnlich ist allerdings, dass der Senator für Kultur und Europa und stellvertretende Bürgermeister höchstselbst sich auf die Niederungen der Graswurzel-Arbeit begibt, mit guter Laune und ausreichend Zeit für Gespräche. Aber es passt auch zu diesem Klaus Lederer, der trotz Amt und Würden die Bodenhaftung nicht verloren hat! Und es passt ebenfalls inhaltlich, und zwar in doppelter Hinsicht: der Arnswalder Platz ist ein Gartendenkmal, und Denkmalpflege ist Teil seines Zuständigkeitsbereichs. Und die Anlage und Pflege städtischer Parks und Gärten sind kein Provinzthema: sie sind Teil der europäischen Kultur, wie wir selber oft betont haben, z.B. auf der Veranstaltung ‚Sharing als Chance‘. Diese Kultur ist in Berlin in den Zeiten des Spardiktats unter die Räder gekommen. Und dies wörtlich: Bei den Straßen- und Grünflächenämtern hatte die Autofahrerlobby stets die Oberhand bei der Vergabe der Mittel.

Dr. Lederer hörte uns aufmerksam zu, als wir über das jahrelange Engagement so vieler auf dem Arnswalder Platz berichteten. Da wir – abgesehen von einer unzureichenden Zahl und mangelhaftem Design der Müllbehälter – momentan mit dem Zustand des Platzes und der Aufmerksamkeit, die er vom Grünflächenamt erhält, recht zufrieden sind, gab es hier keine Bitten um Unterstützung von uns.

Sehr bald gingen wir daher gemeinsam mit ihm zu unserem neuen Engagement-Schwerpunkt: dem Areal des Ehrenmals, das Berliner Grünverbände für die herausragenden Gestalter öffentlicher Gärten, Plätze  und Volksparks, Peter Joseph Lenné und Gustaf Meyer errichtet haben. Wir waren dort sehr angetan – von Dr. Lederers Entsetzen über dessen Zustand… Mehr…

Kleines Fest – schöner Erfolg: 5. Sommerfest ‚Stierisch gut‘

Am 1. September 2018 wurde auf dem Arnswalder Platz das 5. Sommerfest gefeiert. Organisiert wurde es von der ‚AG Sommerfest‘, eine der Arbeitsgemeinschaften von Pro Kiez Bötzowviertel e.V. (die GärtnerInitiative Arnswalder Platz ist ebenfalls eine AG des Vereins). Das Fest war kleiner als in Vorjahren, eher besinnlich bei guter Stimmung, mit einem durchgehenden Programm statt mehrerer gleichzeitiger, konkurrierender Acts, die sich zum Teil akustisch störten oder an Remmidemmi erinnerten. Uns urbanen Gärtnern gefiel’s, vielen Dank an die vorbereitenden Ehrenamtlichen!

Eröffnung durch den Bürgermeister

Eröffnet wurde das Fest vom Pankower Bürgermeister, Sören Benn (Linke). Er kam gerade, noch bewegt, von einer Veranstaltung an der Friedensglocke im Volkspark Friedrichhain und erinnerte uns an diesem Weltfriedenstag zunächst daran, wie glücklich wir uns schätzen können, seit Jahrzehnten in einem friedlichen Land zu leben. Er würdigte nachdrücklich die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement in einer lebendigen Demokratie als Ergänzung zum Handeln von Politik und Verwaltung. Aus gegebenem Anlass standen natürlich die Anerkennung der sozialen Verdienste von Pro Kiez im Vordergrund. Der Alt-Vorstandsvorsitzende – vom Moderator Steffen Siegmund als ‚Urgestein‘ angekündigt, stellte dann die Arbeitsgruppen vor – zu viele, um sie hier angemessen zu würdigen.

Stände und Programm

Bei den Ständen stellten sich die AGs von Pro Kiez vor und stießen auf lebhaftes Interesse. Unsere Initiative konnte ein Team von Leuten stellen, die kompetent über unser Engagement berichteten und einige neue MitmacherInnen warben. Vielen Dank für diese tolle Unterstützung an Katrin, Jenny, Annette und Frank!

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Auch für Leib und Magen war ausreichend versorgt: an einem Pro Kiez-Stand wurden selbst gebackener Kuchen und Salate verkauft, ein Getränkewagen sorgte dafür, dass keine Kehle trocken blieb, in einem mobilen ‚Mini-Haus‘ sorgte die Kulturmarkthalle für Kaffee und kreative Behaglichkeit, und bei der Fleischerei Erchinger stieg die gute Laune analog der Zahl der reißend verkauften Berliner- oder Bärlauch-Würstchen.

So gestärkt konnte man entspannt das Programm genießen. Die Kinder – und nicht nur sie – amüsierten und gruselten sich beim Clownstheater ‚Sti und Stu‘, die bekannte Kiez-Größe Lüül spielte mit seiner Gitarre auf, die Perkussionistinnen von ‚Bando Girasol‘ lieferten die angemessene musikalische Temperatur an diesem fabelhaften Spätsommertag, ein Chor von ‚Pro Kiez & Friends‘ und der allmontäglich probende Pro Kiez-Jedermann-Chor aus der Esmarchstraße (der natürlich auch jeder Frau offensteht) unterhielten mit einer Mischung aus Volkstümlichkeit, frecher Neckerei, weinseliger Fröhlichkeit und herzschmerzender Melancholie. Besonders beeindruckt waren wir von der beachtlichen Leistung der frisch aufspielenden Schulband des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums. Wir Website-Gestalter genossen später den Auftritt des Folk-Rock Duos Roy Wilde & Golda Heart als entspannte Stimmung verströmenden Abschluss.

Diskussion zu unserem aktuellen Schwerpunkt: Saubere Parks und Gärten

Hinter der im gedruckten Programm unkonkret angekündigten ‚Gesprächsrunde mit dem Bürgermeister‘ verbarg sich eine Diskussion zum Thema ‚Sauberkeit in Parks und Gärten‘. Auch hier war Bgm. Benn wieder auf dem Podium präsent, mit ihm Tino Schopf, unser per Direkt-Mandat ins Abgeordnetenhaus gewählter Volksvertreter und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Als Co-Autor des kommenden Berliner Abfallentsorgungs-Gesetzes war er voll im Thema. Ferner standen auf dem Podium Holger Goldbach, Leiter des BSR-Regionalzentrums Berlin Nordost; Sabine Opderbeck als Vertreterin von Pro Kiez und  der BewohnerInnen des Bötzowviertels; Carsten Meyer für die GärtnerInitiative Arnswalder Platz und Steffen Siegmund vom Pro Kiez Fest-Vorbereitungsteam als charmanter Moderator. Per Online-Voting-System konnten Festbesucher ihre Einschätzungen, Fragen und Anregungen zum Thema ‚Wie kann man Berliner Parks und Gärten sauberer machen?‘ artikulieren. Das hat prima geklappt. Die meisten Teilnehmer (78 %) fanden einen unverantwortlichen Umgang von Bürgern mit ihren Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum das Hauptproblem, aber an zweiter Stelle (58 %) wurde eine ungenügende Vorhaltung von Reinigungskapazitäten als Problem geäußert.

Bgm. Sören Benn stellte einen Ausbau der Parkpflege und Müllentsorgung in Aussicht. Er bat aber um Geduld, da es schwierig sei, geeignetes Personal zu finden. Grundsätzlich lobte er das Engagement der GärtnerInitiative für die Sauberkeit des Platzes, gleichwohl seien Parkpflege und Müllentsorgung ganz klar eine Aufgabe der Öffentlichen Hand respektive der Grünflächenämter. Tino Schopf stellte eine geringfügige personelle Verstärkung für die Grünflächenämter in Aussicht, um das ‚Littering‘-Problem zu reduzieren. In Berlin werden jetzt einhundert neue Kräfte bei den Ordnungsämtern eingestellt. Von diesen Stellen werden Pankow voraussichtlich neun zugewiesen, die dann vor allem als sogenannte „Waste Watchers“ die ordentliche Entsorgung von Abfall im öffentlichen Raum kontrollieren und ggf. Sanktionen verhängen sollen.

Holger Goldbach machte den Vorzug deutlich, den der Einsatz der BSR bei der Reinhaltung von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen hat: die BSR-MitarbeiterInnen können auch am Wochenende und im Bedarfsfall sogar nachts Müll entsorgen und fegen – für öffentlich Bedienstete wäre das (zumindest gegenwärtig noch) undenkbar. Einwände bezüglich des Einsatzes der orangefarbenen Abfallbehälter der BSR parierte er mit dem Hinweis, man habe auch zurückhaltendere Behälter im Angebot.

Entscheidungen hinsichtlich des Einsatzes der BSR auf dem Arnsi sind übrigens noch nicht gefallen. Wenn, dann geschieht das zunächst im Rahmen einer Erweiterung des gegenwärtig laufenden Modellprojekts. Wir von der GärtnerInitiative würden das sehr begrüßen!

Sabine Opderbeck würdigte die Verdienste der GärtnerInitiative für den Zustand des Arnswalder Platzes und betonte, wie wichtig es ihr als Anwohnerin ist, in der Nähe einer gepflegten Grünanlage zu leben. Sie hat ihren Beitrag dazu geleistet, indem sie selbst mitgegärtnert hat. Sabine Opderbeck kräftigte die Bedeutung, die ein solches Projekt auch für den sozialen Zusammenhalt im Kiez bedeutet.

Carsten Meyer bestätigte diese nachbarschaftliche Komponente und erinnerte daran, wie sehr der Platz durch den Mangel an Grünpflege und Reinhaltung zwischen dem Jahr 2010, als der erste Sanierungsabschnitt abgeschlossen war, und 2012 nicht nur gestalterisch, sondern damit einhergehend auch sozial abgeglitten war. Das bürgerschaftliche Engagement brachte mit der GärtnerInitiative den entscheidenden Wandel. Seitdem habe sich viel verbessert – und seit dem Besuch des Bezirksbürgermeisters bei der Aktion im Juli d.J.- sogar die Müllentsorgung, allerdings müssten kurzfristig unbedingt weitere Müllbehälter aufgestellt werden. Das Miteinander mit dem Grünflächenamt schilderte Meyer als seit geraumer Zeit sehr freundlich und konstruktiv.

 

Freude, Sorge, Hoffnung im August

Schlaglicht auf den dritten Samstag im August 2018: Ein Tag, an dem die Freude der versammelten ehrenamtlichen ‚Gärtnergemeinde‘ deutlich überwog. Da war zum einen die gute Laune bei den Gesprächen in der Kaffeepause, oft auch bei der Gartenarbeit selber.

Gefreut haben wir uns außerdem darüber, dass sich auf dem Platz endlich ‚etwas getan‘ hat. Die Sanierung des nördlichen Platzteils freut uns sowieso – wir berichteten. Hinzu kommt jetzt, dass nach Gesprächen mit Bezirksbürgermeister Sören Benn und Vertretern des BSR – jeweils vor Ort – der ‚Arnsi‘ sauberer geworden ist: das Grünflächenamt ist erkennbar aktiver geworden was die Leerung der Mülltonnen und die Reinigung des Platzes anbetrifft. Und wie von Zauberhand wurde der Plattenweg nahe der Pasteurstraße gereinigt, dessen ungepflegter Zustand uns ein Dorn im Auge war. Vielen Dank den mittelbar und vor Ort Beteiligten!

Erfreulich auch, dass zwei freundliche Schilder für die Internationale der Sprüher und Tagger einen Monat, nachdem wir sie aufgehängt haben, noch dort baumeln – und dass es keine Tags und Graffitis gibt, sogar an der bevorzugten Sprühwand zur Danziger Straße hin. Ist ‚Respekt‘ doch kein Fremdwort für die Sprüh-Gemeinde?

 

Nicht ganz so erfolgreich war die Aufforderung an die ‚lieben Kinder‘, während des Wässerns nicht in die Beete zu laufen – okay, gelaufen sind sie nicht, dafür aber splitternackt mit ihren Rädern ‘reingefahren. Ohje… Bei dem gegenwärtigen Grundschullehrer-Mangel kann man nur hoffen, dass sie noch Lesen und Schreiben lernen!

 

Zigarettenkippen und Kronkorken landen wie eh und je auf dem Boden. Auf der neuen – auf unseren Wunsch angelegten! – Oberfläche sind sie allerdings besser zusammenzufegen. Hoffentlich ändert sich das Verhalten der Raucher und Trinker, wenn erst das neue, u.a. von unserem Abgeordneten Tino Schopf initiierte Abfallgesetzt in Kraft tritt und ‚Waste Watchers‘ nach Wiener Vorbild ihre Runde drehen und Bußgelder verhängen. Wien wurde übrigens diesjährig zur Stadt mit der weltbesten Lebensqualität gekürt!

Amüsiert haben uns die gelben und roten Farbtupfer auf dem neu angelegten Areal – neben Sonnenblumen z.B. hier Cosmea und Kapuzinerkresse. Das Grünflächenamt vermutete, dass diese Garten-Guerilla-Aktion auf unsere Kappe geht. Mitnichten: wir respektieren das ursprüngliche Gestaltungskonzept uneingeschränkt. Aber, wenn wir ehrlich sind: den meisten von uns gefallen diese Farbtupfer.

Hoher Besuch im Juli ’18

Am 21. Juli 2018 besuchte uns der Pankower Bezirks-Bürgermeister Sören Benn (Linke), gut gelaunt, aufmerksam zuhörend. Dem Grünflächenamt war natürlich bekannt, dass er kommen würde, und – welch ein Zufall! – die Mülltonnen waren geleert worden und zeigten sich aufgeräumt und ansehnlich wie Erich Honeckers aufpolierte Protokollstrecke nach Wandlitz. Als kleines Korrektiv überreichten wir Herrn Benn eine Collage mit den überquellenden Behältern an einem stinknormalen Sommer-Samstag dieses Jahr, hier zu bewundern.

Der Bürgermeister war im Bilde und hatte auch unseren Müll-Flyer gelesen. So ging es schnell zur Sache: Mehr Abfallbehälter aufstellen –sah er ebenso als notwendig an, insbesondere im Gartenbereich hin zur Pasteurstraße (gegenwärtig zwei Tönnchen für zehn Bänke). Und: formschönere Behälter – auch Sören Benn zeigte kein Verständnis für diese Eimer mit den herausquellenden Müllbeuteln (nebenbei: diese Plaste-Müllbeutel sind zusätzlicher Plastikmüll). Und last but not least: höhere Leerungsfrequenzen sind notwendig – die Frage ist ‚nur‘: wie das zu organisieren ist. Alternativen:

Modell 1: Das Grünflächenamt leert häufiger. Illusorisch beim gegenwärtigen Personalbestand; für Wochenenden, wenn die Leerungen besonders zwingend erforderlich wären, gibt es zusätzlich tarifvertragliche Einwände.

Modell 2: Beauftragung der BSR, eigene (?) Mülltonnen aufzustellen und sie in höheren Frequenzen zu leeren. –  Anschließend an eine Begehung des Kollwitzplatzes mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am 16. Juli, bei dem die Ausweitung des Parkreinigungs-Auftrags an die BSR vorgestellt wurde, vereinbarten MdA Tino Schopf (SPD) und ich (Carsten Meyer) für den 1. August mit der BSR einen Ortstermin auf dem Arnswalder Platz zu genau diesem Thema. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt. Herr Bürgermeister Benn jedenfalls ist ‚alarmiert‘.

Wege-Pflege im 21. Jahrhundert: mit Besen und Kehrblech?

Ähnlich wie wir beim Aufsammeln von dem Verpackungsmüll streiken, der fein säuberlich unter überquellende Mülltonnen gestellt wurde – ein stiller Bürger-Protest gegen eine unfähige Entsorgungspolitik – , so streiken wir auch beim Fegen der gepflasterten Flächen, die im Handumdrehen von modernen Besenfahrzeugen (die BSR nennt sie ‚Lilliputz‘) gereinigt werden könnten. Zu oft schon tat uns nach dem Fegen der Rücken weh – vermeidbarerweise. Wir tun schon sehr viel – aber wir machen uns nicht zum Affen!

Bürgermeister Benn zeigte bei dem Rundgang auch dafür Verständnis. Seine Frage: hat das Grünflächenamt kein solches Reinigungsfahrzeug? Wenn nicht: sollte man es nicht anschaffen? Oder auch hier die BSR beauftragen? Die Fragen sind jetzt in der Pipeline. Und auch der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) liest diese Website… Die Wegereinigung wird ebenfalls Thema bei dem erwähnten Gespräch am 01.08.2018 mit der BSR sein.

NACHTRAG IM OKTOBER 2018: Die Entsorgungsfrequenz für die Müllbehälter durch das Grünflächenamt wurde nach dem Gespräch mit Bgm. Sören Benn erhöht, der Platz ist jetzt wesentlich sauberer und ‚ansehnlicher‘. Der beanstandete gepflasterte Weg wurde wie von Zauberhand einige Male picobello gefegt. Unsere diesbezüglichen ‚Streiks‘ sind damit natürlich hinfällig!! Und das Gespräch mit Herrn Holger Goldbach, Revierleiter des BSR-Regionalzentrums Nordost, am 1. August verlief äußerst verständnisvoll und konstruktiv. Weitere Schritte bezüglich der Übertragung von Pflegeaufgaben an die BSR liegen nun in den Händen der Politik. Dieses soll berlinweit schrittweise geschehen, basierend auf den guten Erfahrungen mit der BSR. Aber es wird Jahre dauern, u.a. da der Personalbestend nur peu à peu aufgebaut werden kann. Es sei denn, die Politik geht neue Wege, um aus dem großen Bestand der beschäftigungslosen Bewohner dieser Stadt zu schöpfen…

Roter Faden: Respekt

Die anderen mit Bürgermeister Sören Benn besprochenen Themen lassen sich unter der Überschrift ‚Respekt‘ zusammenfassen. Die wiederkehrenden Schmierereien an Mauern und am Brunnen sind respektlos gegenüber dem Denkmal und den Bürgern, die es genießen wollen. Deswegen fordern wir neuerdings von den international agierenden Taggern und Sprayern auf kleinen Plakaten Respekt ein. Ob’s fruchtet? Eine ähnliche Aktion gegenüber Blumendieben (in einem neu angelegten Beet an der Pasteurstraße wurden schon in der ersten Nacht Pflanzen geklaut) hat es geklappt, die Schilder standen für einige Wochen, es verschwanden keine Pflanzen mehr.

NACHTRAG IM OKTOBER 2018: Ausgerechnet auf dem Stadtteilfest am 1. September wurden die laminierten Schilder geklaut… Die neuen Schilder, die wir gleich anschließend wieder befestigten, existieren noch immer (Stand 24.10.18) – und es GAB KEIN GRAFFITI MEHR. Kann das Zufall sein?!?!

Respekt erwarten wir auch von der Verwaltung: die Müllsituation so eskalieren zu lassen, wie wir es auf dem Arnswalder Platz immer wieder beklagen mussten, ist gleichermaßen respektlos gegenüber dem Denkmal und den Bürgern. Und es zeugt auch nicht von Respekt von Behörden-Mitarbeitern, wenn sie konstruktive Bürgervorschläge zur Vereinfachung und bürgerfreundlichen Gestaltung von Verwaltungsvorgängen (Beispiel: überbordende Genehmigungsverfahren für Kinderflohmärkte auf dem Arnswalder Platz) schlicht wie Luft behandeln.

Einweihung des erweitert sanierten Arnswalder Platzes

Am Freitag, den 6. Juli 2018, fand anlässlich der Eröffnung des ergänzend sanierten Platzes eine kleine Feier statt. Es sprachen der Pankower Bau-Stadtrat, Herr Kuhn, Frau Lindstädt von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Herr Lingenauber vom Landesdenkmalamt und Herr Meyer von der GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Hier ein paar Bild-Impressionen von diesem Tag.

 

 

  

Alle Redner zeigten sich erwartungsgemäß mit dem Ergebnis sehr zufrieden und bedankten sich gegenseitig: Für das Erscheinen und die feierlich-freundlichen Worte des Stadtrats, für die kommunikative und kompetente Bürgerbeteiligung von Frau Benjamin, für die gute Arbeit der ausführenden Gärtner und Maurer, für das ehrenamtliche Engagement unserer Initiative. Es gab da auch ein paar dunkle Wolken am Himmel: die Erinnerung an die großflächigen Graffitis, die kurz vor Eröffnung noch entfernt worden waren, und unsere Klage über die bedrückende Verpackungsmüll-Situation auf dem Platz.

Diese wird uns noch beschäftigen – voraussichtlich verstärkt wegen der geringen Müllbehälter-Kapazitäten im erneuerten Gartensegment.

Dieses, unser aktuelles Schwerpunkt-Thema, wird uns auch bei unserem nächsten gemeinsamen Gärtnertermin am 21. Juli ab 13 Uhr beschäftigen: wenn uns unser Bezirksbürgermeister, Herr Sören Benn (Linke), einen Besuch abstattet. Wir erwarten ihn zu unserer traditionellen Kaffeepause – Gelegenheit für ein Gespräch über den Arnswalder Platz und ein bisschen über unseren ‚Gartenzaun‘ hinaus: z.B. zum Pflege- und Reinigungsmissstand in Pankower Grünanlagen – und nicht nur dort.

 

 

In öffentlichen Gärten einer Stadt sollte man … Frohsinn in weite Kreise tragen. Voraussetzung ist, dass diese Gärten sauber angelegt und sorgfältig unterhalten werden. (Erwin Barth, Gartenarchitekt, 1913)

Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert. (Peter Josef Lenné, Gartenkünstler, 1822)

Verfall von öffentlicher Gartenkultur

Am 19. und 20. Juni fand im Nicolaihaus in Mitte eine internationale Tagung statt. Unter dem Titel ‚Sharing als Chance‘ ging es um bürgerschaftliches Engagement bei der Erhaltung des europäischen kulturellen Erbes. Den Rahmen bildete das europäische Kulturerbejahre 2018, Veranstalter war die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Ergänzend zu Vorträgen und Foren stellten Initiativen engagierter Bürger an Infoständen ihre Arbeit vor – auch die GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Statt einer braven Selbstdarstellung hauen wir ein wenig auf die Pauke und zeigen den internationalen Besuchern ein dreckiges Berlin. Genauer: vermüllte Plätze und Grünanlagen, eine verbreitete Un-Kultur in der deutschen Hauptstadt, durch staatliche Nachlässigkeit geduldet. Wir alle wissen: diese Bilder sind keine Ausnahmen, sondern an warmen Sommertagen – verstärkt am Wochenende – die Regel.

Mit einem neuen Flyer, den wir in einer englischen und in einer deutschen Variante verteilten, stellen wir nicht nur das Problem dar und fordern mehr Engagement von Politik und Verwaltung, sondern machen auch Lösungsvorschläge für ein konzertiertes Maßnahmenbündel:

  • Zuweisung zweckgebundener Grünpflege-Mittel an die Bezirke
  • Bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Grünflächenämter
  • Größere und besser designte, Berlin-einheitliche Abfallbehälter (Raben- und Ratten-sicher, mit Fach für Zigarettenkippen und Abstellmöglichkeiten für Pfandflaschen)
  • Wesentlich häufigere Leerungen der Müllbehälter in Zeiten verstärkter Nutzung von Plätzen und Grün­anlagen, insbesondere an Sonn- und Feiertagen
  • Im Bedarfsfall Einsatz geschulter Park-Ranger, um Missachtung von Parkregeln (à Grillen, Entsorgung des Verpackungsmülls) rechtzeitig zu unterbinden
  • Freundliche Hinweise in Parks zur ordentlichen Müllentsorgung und Einsatz von Waste Watchers nach Wiener Vorbild (Verwaltung als Vorbild: zunächst Erledigung der drei vorgenannten Punkte!)
  • Finanzierung dieser Maßnahmen durch Verwendung von Einnahmen aus der Hotel-Übernachtungssteuer (City Tax) und Sondersteuer auf Einweg-Verpackun­gen sowie Pfandsystem für bestimmte Verpackungen
  • Förderung von Nachfüll-Bechern für To-Go-Getränke und biologisch abbaubaren Verpackungen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung: wiederholte Anti-Littering Kampagnen, Schul-Curricula und Unterrichtsmaterial zum Thema umwelt- und stadtverträglichen Umgangs mit Verpackungen

Leider war der Raum, in dem wir uns gemeinsam mit anderen Initiativen in dem weitläufigen Nicolaihaus präsentieren konnten, sehr abgelegen. Nur wenige Teilnehmer fanden den Weg zu uns. Eine erfreuliche Ausnahme war der Besuch von Gerry Woop, Staatssekretär bei Kultur- und Europaminister Klaus Lederer, der sich offen und interessiert für unser ‚Anti-Littering-Projekt‘ zeigte. Möge dies Interesse Früchte tragen!

 

Die Kinderflohmarkt-Posse

Lesen Sie nachfolgend die Realsatire um die Genehmigung der traditionellen Kinderflohmärkte auf dem Arnswalder Platz im Jahr 2018.. Sehr bedauerlich war, dass leitende Beamte beim Straßen- und Grünflächenamt auf unsere konstruktiven Vorschläge zur Vereinfachung und bürgerfreundlicheren Organisation der Verwaltungsvorgänge – bis hin zur Entwicklung eines Antragsformulars für die Nutzung des öffentlichen Raums – keine Stellung bezogen hatten. Auch nicht betreffs unserer Nachfrage, ob bestimmte Verwaltungsvorschläge nicht schlanker gestaltet werden könnten, z.B. wenn es um die Genehmigung von harmlosen Kinderflohmärkten geht: Acht behördliche Stellen müssen dazu Gutachten schreiben…

Genehmigung von  Kinderflohmärkten am Arnswalder Platz – eine Schildbürger-Posse der Verwaltung

Der traditionelle Kinderflohmarkt in der Bötzowstraße am Arnswalder Platz wurde für das Jahr 2018 nicht genehmigt. Dann aber doch. Der Weg zur Genehmigung wirft ein Schlaglicht auf Berliner Entscheidungsprozesse – und warum es mit dem neuen Flughafen nicht klappt. Stichwort: Verantwortungs-Diffusion.

Liebe Leserin, lieber Leser, strapazieren Sie für einen Moment Ihr inneres Auge. Was sehen Sie bei dem Begriff ‚Kinderflohmarkt‘ vor sich? Kommerzielles Treiben, Lautsprecherboxen, aus denen wummernde Bässe dröhnen, Grillrauchschwaden, Konsum von Speisen und Getränken, Müllhaufen aus Einwegverpackungen mit Essensresten als Rattenfutter – alles Dinge, die wir in Parks und auf Plätzen in Berlin allerorts erleben und die staatlich geduldet werden. Denken wir mal an den Volkspark Friedrichshain.

Oder sehen Sie beim Stichwort ‚Kinderflohmarkt‘ Tapeziertische und Decken vor sich, auf denen vergnügte Kinder für ein paar Cent ihre langweilig gewordenen Spielsachen und Kleidungsstücke, denen sie entwachsen sind, an andere Kinder weitergeben? Recycling, das Freude macht, statt dass die Sachen auf dem Müll landen?

Nun, mit dem zweiten Bild liegen Sie richtig. Aber beim Pankower Grünflächenamt sah man das – zunächst – offenbar ganz, ganz anders und knüpfte mühevoll und mit akribischen Begründungen einen gordischen Knoten. Ihn zu zerschlagen kostete viel Steuergeld, Zeit und Nerven von engagierten Bürgern, von Politik und Verwaltung und wirft die Frage auf: Geht’s auch anders?

Und dies sind die Schlingungen des gordischen Knotens:

Am 10. Oktober 2017 stellte Ronaldo dos Santos, Inhaber des beliebten Kiez-Cafés ‚Cafezinho‘ in der Bötzowstraße 41, beim Bürgeramt Pankow den Antrag auf die Genehmigung von sechs Kinderflohmärkten, beginnend am 8. April 2018 (sein Antrag ist hier verlinkt). Er reichte ihn persönlich dort ein und erhielt gleich bei der Antragstellung eine mündliche Absage mit Hinweis auf den für den Arnswalder Platz geltenden Denkmalschutz. Er versuchte es ein zweites Mal – mit dem selben Ergebnis.

Als auf dem Arnswalder Platz ehrenamtlich engagierter Stadtgärtner telefonierte ich am 5. April mit der für Sondergenehmigung zuständigen Sachbearbeiterin beim Grünflächenamt, Frau Reichelt. Auf ihre erneute Ablehnung hin schrieb ich ihr am 6. April eine Mail, mit der ich sie um eine schriftliche Begründung der Ablehnung bat (hier verlinkt).

Frau Reichelt wies in ihrer Antwort auf das Berliner Grünanlagengesetz hin, wonach öffentliche Grün- und Erholungsanlagen nur so benutzt werden dürfen, wie es sich aus der Natur der Anlage und ihrer Zweckbestimmung ergibt. Bezogen auf die Kinderflohmärkte schrieb sie: „Der Zweck, die Erholung der Bevölkerung, wäre durch diese Nutzung beeinträchtigt und entfremdet.“ Beeinträchtigt? Entfremdet??? Durch einen Kinderflohmarkt?? Außerdem müsse die Nutzung „schonend erfolgen, so dass Anpflanzungen und Ausstattungen nicht beschädigt, verschmutzt oder anderweitig beeinträchtigt und andere Anlagenbesucher nicht gefährdet oder unzumutbar gestört werden.“ Wie sollen die Kinder die Anlagen beschädigen, wo doch die Flohmärkte außerhalb der Anlage auf einer betonharten wassergebundenen Oberfläche und auf dem Gehweg stattfinden? Wie sollen sie die ‚Anlagenbesucher‘ gefährden? Wie sollen die sonstigen Platznutzer gestört werden – durch spielende Kinder? Außerdem müsse ein ‚überwiegendes öffentliches Interesse‘ für eine Genehmigung gegeben sein. Politische Parteien dürfen auf dem Arnswalder Platz – und auf ihm, nicht nur am Rande, wie beim Flohmarkt beantragt – ihre Veranstaltungen durchführen. Repräsentiert etwa eine einzelne Partei das ‚überwiegende öffentliche Interesse‘?

Eine ‚Folgenbeseitigung‘ müsse gesichert sein. Ja, selbstverständlich, und zur Absicherung hatte Herr dos Santos im Vorjahr eine Versicherungsgebühr in Höhe von ca. 500,- € entrichtet.

So resümiert die für Sondergenehmigungen zuständige Sachbearbeiterin beim Bezirksamt Pankow: „Ihre Anfrage zur kommerziellen Nutzung in Form eines Kinderflohmarktes ….in der Grün- und Erholungsanlage Arnswalder Platz wird als nicht genehmigungsfähig beurteilt und schließt sich somit aus.“ Das Verbot für solche ‚Handelstätigkeiten‘ (!!!) gelte auch für den angrenzenden Promenadenweg (der zum Platz gehört) und für den angrenzenden Gehweg. Wie wir alle wissen, werden in Berlin allerorts auf öffentlichen Plätzen, auch auf Gartendenkmalen, Veranstaltungen genehmigt, auf denen Bier, Wein und Nahrungsmittel angeboten werden – denken wir an das Sommerfest ‚Stierisch gut‘ mitten auf dem Arnswalder Platz oder die wochenlange Weinverkostung auf dem Gartendenkmal Rüdesheimer Platz. Sie finden ein Verbot der Kinderflohmärkte mit solchen Begründungen im Wortsinne un-glaublich? Dann finden Sie die gesamte Mail hier.

Ein Vorgesetzter von Frau Reichelt, Herr Wolf Sasse, der für den Bereich der Grünflächenpflege und Unterhaltung in Pankow zuständige Gruppenleiter, hatte vier Tage vor Frau Reichelts Versagung der Flohmärkte das Verfahren dargelegt, dass nach der zweimal mündlich erfolgten Absage auf den von Herrn dos Santos am 10. Oktober letzten Jahres gestellten Antrag zu erfolgen habe. Er legt dabei erstmalig die zu erfüllenden Antragsbedingungen dar. Es läuft auf einen erneut zu stellenden, detailliert begründeten Antrag hinaus. Der erste Flohmarktstermin war bereits für den 8. April beantragt worden, also schon nicht mehr realisierbar. Was sollte nach der nunmehr dritten Antragstellung für denselben Zweck geschehen? Herr Sasse: „Im Umlaufverfahren werden dann gem. der beantragten Nutzung alle relevanten Stellen beteiligt, in deren Zuständigkeit Teile der geplanten Nutzung fallen. (Umweltamt, Denkmalschutzamt, Neubau, Grünunterhaltung, Spielplatzunterhaltung, Straßenunterhaltung, Werkhof sowie die Grundstücksverwaltung, die alle Stellungnahmen zusammenfasst). Dies ist ein Standardverfahren, dass ohne ‘Abkürzungswege‘ durchlaufen werden muss…“ Haben Sie mitgezählt? Es sind 7 Stellen (in Worten: sieben), die Stellungnahmen zur Genehmigung des Kinderflohmarktes verfassen sollen und eine achte, die sich dem Studium dieser Stellungnahmen widmet und eine Zusammenfassung schreiben soll. Die Mail von Herrn Sasse ist hier dokumentiert.

Lieber Himmel, es geht um die Gestattung von Kinderflohmärkten, nicht um die Genehmigung eines Atomkraftwerks! Wundert es Sie bei einem solch komplizierten und personalintensiven Verfahren, dass große Teile von Berlins Verwaltung auf dem letzten Loch pfeifen und Projekte nicht fertig werden? Das Grundübel, das wir hier im Mikrobereich erleben, wirft ein Licht auf das große Ganze, etwa auf den nicht abheben wollenden Flughafen: Menschgemachte Verkomplizierung von Prozessen.

Zerschlagung des Knotens

Auf Empfehlung des Abgeordneten Tino Schopf wandte ich mich mit Hinweis auf unser Engagement für den Arnswalder Platz per Mail an Herrn Günter Schwarz  von der Abteilung Stadtentwicklung und Bürgerdienste und bat ihn, zur Lösung des Problems beizutragen. Nachdem Herr dos Santos bei ihm schließlich doch noch einen dritten Antrag gestellt hatte, nahm Herr Schwarz sich des Vorgangs an, kam zum Antragsteller, Herrn dos Santos, ins Café, sprach mit ihm, nahm die gegenüberliegende, für den Flohmarkt vorgesehene Fläche (siehe Foto) in Augenschein und leitete unverzüglich die Genehmigung ein. Zwei Tage später hielt Herr dos Santos sie in Händen. So kurz, so einfach, so pragmatisch.
Und so wirklichkeitsnah. Ja, für wen sind denn öffentliche Plätze da? Natürlich für Anwohner und andere Besucher, um sie – rücksichtsvoll und schonend! – zu ‚bespielen‘!!

 

Auch ohne, dass das von Herrn Sasse als verbindlich in Aussicht gestellte aufwändige Verfahren auch nur angeschoben wurde, hatten bereits folgende Personen Zeit und Energie in die Antragstellung investiert: Herr dos Santos selber, Frau Reichelt und Herr Sasse mit ihren Mails, und Personen aus Politik und Verwaltung, die ich eingeschaltet hatte: der SPD-Abgeordnete Tino Schopf, der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn, der Bezirksstadtrat für Umwelt und öffentliche Ordnung, Daniel Krüger und schließlich Herr Schwarz. Nicht zuletzt ich selber. Und nun haben noch Sie, liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen, bis hierhin durchgehalten – und das in einer Zeit der Short Messages und Tweeds, des ADS und der generell kurzen Aufmerksamkeitsspanne – Chapeau!! Aber wie will man Überkomplexität darstellen, ohne selber ein wenig komplex zu werden?!

Lösungsvorschläge

Wie ginge es einfacher? So: Die Antragsteller ziehen ein kompaktes Antragsformular aus dem Internet (ich habe 20 Minuten in einen hier verlinkten Entwurf investiert), eventuelle Fragen werden per Telefon oder notfalls vor Ort geklärt, danach schreibt die für Sondernutzungen zuständige Sachbearbeiterin ein kurzes Plädoyer, das sie zusammen mit der Antragstellung an die relevanten Stellen (m.E. sind maximal drei oder vier genug) weiterleitet. Wenn diese innerhalb einer kurzen Frist keine Einwände anmelden, wird das Vorhaben genehmigt bzw. entsprechend dem Plädoyer begründet versagt. Den Antrag schickt der Antragsteller wegen der erforderlichen Original-Unterschrift per Post oder reicht ihn persönlich ein, die weitere Kommunikation (z.B. das Zusenden von Fotos) kann per Mail erfolgen. Das alles ginge schon, bevor das lange angekündigte E-Government endlich Realität wird…

Ferner muss nach meiner Überzeugung das Berliner Grünanlagengesetz dringend novelliert werden. Es ist alles andere als bürgerfreundlich. Nur drei Zeilen beziehen sich auf Pflichten des Landes Berlin [§ 5 (1)], nämlich die Verkehrssicherungspflicht, 68 Zeilen dagegen auf die Eigenverantwortung und die Pflichten des Bürgers, einschließlich eines ausführlichen Ordnungswidrigkeiten-Katalogs (hier verlinkt, mit meinen Markierungen). Ich werde versuchen, Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses dafür zu gewinnen!

Haben Sie Ideen, wie man das Berliner Grünanlagengesetz demokratischer und bürgerfreundlicher gestalten könnte? Ich freue mich über Rückmeldungen, bitte per Mail an arnswalderplatz@hotmail.de. Ich werde Zuschriften an dieser Stelle veröffentlichen, außer, dass dies ausdrücklich nicht gewünscht wird.

Carsten Meyer

 

 

Impressionen vor der Einweihung des frisch sanierten Platzdrittels

Der zur Danziger Straße hin 2017/18 ergänzend sanierte Platzteil war noch nicht eingeweiht und umzäunt und mit den Hinweisschild ‚Betreten der Baustelle untersagt‘ versehen, da machte sich Ende Juni 2018 bereits seine asoziale Aneignung breit. Die Polizei war nicht präsent, und Videoüberwachung ist in Berlin ein höchst heikles Thema.

 

Andererseits bot die Platz-Ergänzung bereits einige schöne Impressionen:

 

 

Europäisches Kulturgut – verwahrlosen lassen?

Am 19. und 20. Juni fand im Nicolaihaus in Mitte eine internationale Tagung statt. Unter dem Titel ‚Sharing als Chance‘ ging es um bürgerschaftliches Engagement bei der Erhaltung des europäischen kulturellen Erbes. Den Rahmen bildete das europäische Kulturerbejahre 2018, Veranstalter war die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Ergänzend zu Vorträgen und Foren stellten Initiativen engagierter Bürger an Infoständen ihre Arbeit vor – auch die GärtnerInitiative Arnswalder Platz. Statt einer braven Selbstdarstellung hauen wir ein wenig auf die Pauke und zeigen den internationalen Besuchern ein dreckiges Berlin. Genauer: vermüllte Plätze und Grünanlagen, eine verbreitete Un-Kultur in der deutschen Hauptstadt, durch staatliche Nachlässigkeit geduldet. Wir alle wissen: diese Bilder sind keine Ausnahmen, sondern an warmen Sommertagen – verstärkt am Wochenende – die Regel.

Mit einem aus Anlass der Konferenz entwickelten Flyer, den wir in einer englischen und in einer deutschen Variante verteilten, stellten wir nicht nur das Problem dar und forderten mehr Engagement von Politik und Verwaltung, sondern machten auch Lösungsvorschläge für ein konzertiertes Maßnahmenbündel:

  • Zuweisung zweckgebundener Grünpflege-Mittel an die Bezirke
  • Bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Grünflächenämter
  • Größere und besser designte, Berlin-einheitliche Abfallbehälter (Raben- und Ratten-sicher, mit Fach für Zigarettenkippen und Abstellmöglichkeiten für Pfandflaschen)
  • Wesentlich häufigere Leerungen der Müllbehälter in Zeiten verstärkter Nutzung von Plätzen und Grün­anlagen, insbesondere an Sonn- und Feiertagen
  • Im Bedarfsfall Einsatz geschulter Park-Ranger, um Missachtung von Parkregeln (Grillen, Entsorgung des Verpackungsmülls) rechtzeitig zu unterbinden
  • Freundliche Hinweise in Parks zur ordentlichen Müllentsorgung und Einsatz von Waste Watchers nach Wiener Vorbild (Verwaltung als Vorbild: zunächst Erledigung der drei vorgenannten Punkte!)
  • Finanzierung dieser Maßnahmen durch Verwendung von Einnahmen aus der Hotel-Übernachtungssteuer (City Tax) und Sondersteuer auf Einweg-Verpackun­gen sowie Pfandsystem für bestimmte Verpackungen
  • Förderung von Nachfüll-Bechern für To-Go-Getränke und biologisch abbaubaren Verpackungen
  • Sensibilisierung der Bevölkerung: wiederholte Anti-Littering Kampagnen, Schul-Curricula und Unterrichtsmaterial zum Thema umwelt- und stadtverträglichen Umgangs mit Verpackungen

Leider war der Raum, in dem wir uns gemeinsam mit anderen Initiativen in dem weitläufigen Nicolaihaus präsentieren konnten, sehr abgelegen. Nur wenige Teilnehmer fanden den Weg zu uns. Eine erfreuliche Ausnahme war der Besuch von Gerry Woop, Staatssekretär bei Kultur- und Europaminister Klaus Lederer, der sich offen und interessiert für unser ‚Anti-Littering-Projekt‘ zeigte. Möge dies Interesse Früchte tragen!

Ein Pflanztag mit freundlichem Besuch

 

Fotos (2): Bernd Wähner

Unsere letzte größere Pflanzaktion lag schon drei Jahre zurück. Im Mai 2014 bepflanzten wir das Beet Pasteurstraße links (von der Straße aus gesehen) mit Stauden nach eigenem, mit dem Bezirk abgestimmtem Pflanzplan. Am 15. Juni 2013 hatten wir bereits mit einer privaten Spende das durch behördlichen Pflegemangel eingegangene Rosenbeet an der Brunnenstube neu bepflanzt. Eine solche Aktion, die einen ‚Ausbruch‘ aus der normalen Pflege- und Säuberungsroutine bedeutet, erfordert natürlich eine entsprechende finanzielle Ausstattung. Damals kam sie aus einem Topf, der aus Grün-Ausgleichsmitteln gespeist war, die die Firma REWE für die temporäre Nutzung der Werneuchener Wiese zu entrichten hatte.

Diesmal, zum 21.04.18, konnten wir aus einer Zuwendung in Höhe von 2.400 € schöpfen, die wir vom Verein der Freunde der Stiftung Denkmalschutz Berlin erhielten. Ziel von Verein und Stiftung ist es, zur Förderung der Denkmalpflege und der entsprechenden Bildung in Berlin beizutragen. Denn, so heißt es auf der Website des Vereins: „Die Pflege und Bewahrung dieses historischen Erbes ist ein wesentlicher Beitrag auch zur Identitätsstiftung mit Berlin.“

Warme Worte wechseln die Adressaten

Zu dem besonderen Anlass galt es natürlich, bei unserer Drei-Uhr-Kaffeepause einige anerkennende und dankende Worte zu sagen. So geschah es von Frau Birgit Jochens vom sponsernden Verein, von Frau Leane Benjamin – beim Grünflächen Pankow für den Bereich Neubau zuständig -, und natürlich von uns.

Frau Jochens machte deutlich, wie wichtig ihr und dem Verein das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern für den Erhalt und die Pflege von Denkmalen ist – also auch von Gartendenkmalen, und dankte uns für dieses Engagement. Frau Benjamin hob hervor, dass sich aus dem anfangs manchmal spannungsgeladenen Verhältnis zwischen den kämpferisch auftretenden ehrenamtlichen Gärtnern und dem Grünflächenamt mittlerweile eine sehr gedeihliche Zusammenarbeit entwickelt hätte. Sie betonte, dass aufgrund des Engagements der GärtnerInitiative dem Arnswalder Platz beim Grünflächenamt des Bezirks besondere Aufmerksamkeit zukäme. Das schlägt sich gegenwärtig auch in der forcierten denkmalpflegerischen Wiederherstellung des bislang unsanierten Platzdrittels nieder! Deren Wieder-Eröffnung (allerdings ohne die noch auszusäende Rasenfläche in der Mitte) stellte Frau Benjamin für Ende Juni in Aussicht.

Carsten Meyer von der GärtnerInitiative Arnswalder Platz schließlich dankte Frau Jochens und dem Verein der Freunde der Stiftung Denkmalschutz für die Zuwendung und die vertrauensvolle, freundliche Zusammenarbeit, und allen Mitgärtnerinnen und Mitgärtnern in fluktuierender Zusammensetzung, ohne deren tatkräftiges Engagement all das Geleistete nicht möglich gewesen wäre. Sein weiterer Dank ging an die MitarbeiterInnen des Grünflächenamtes, z.B. an Frau Gabriel, die für die zuverlässige Stellung der Grünschnittcontainer sorgt, und an Frau Benjamin und ihre ausgezeichnete Bürgerbeteiligung bei der Planung des nun in Sanierung befindlichen Areals. Kritisch bemerkte Carsten Meyer, dass sich die Anwohner zukünftig eine wesentlich bessere Entsorgung des an warmen Tagen herumfliegenden Verpackungsmülls wünschen, der dem Platz den Stempel der Vernachlässigung aufdrückt: mehr Müllbehälter und eine deutlich höhere Leerungsfrequenz der Müllbehälter zur Takeaway-Fastfood-Hochsaison.

Puh, Dankesreden geschafft, konnten wir uns über vier selbstgebackene Kuchen und selbstgebrauten Kaffee hermachen und für die nächste Arbeitsrunde stärken!

Besuch von Baustadtrat Kuhn

Gegen 17 Uhr besuchte uns noch der Pankower Bau-Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) und nahm sich Zeit für ein freundliches und ausführliches Gespräch mit uns. (Unserer Einladung für 15 Uhr konnte er nicht nachkommen, da er bereits anderweitig verplant war.) Er klagte über die mangelhafte Mittelausstattung für die Pflege und Instandhaltung von öffentlichen Grünanlagen und Kinderspielplätzen im Bezirk. Meyer brachte hier wieder einmal seine Forderung ins Spiel, die von Touristen erhobene Hotel-Übernachtungssteuer (‚City Tax‘) für die Pflege von Grünanlagen einzusetzen, da öffentliche Plätze und Grünanlagen viel von auswärtigen Besuchern genutzt würden und auch ein wichtiger Image-Träger für die Stadt seien. Dies erfordert allerdings entsprechende Beschlüsse des Abgeordnetenhauses – eine Forderung, die dann auch noch an den SPD-Abgeordneten des Bezirks, Tino Schopf, erging, der uns fleißige Gärtner auch noch kurz begrüßte.

Nicht nur schöne Worte – vor allem wurde gepflanzt, und wie!

Tausend bodendeckende Pflanzen (Efeu, Dickmännchen, Teppichknöterich und Schneestorchschnabel) hatten wir bestellt und es zwischen 11:00 und 18:30 Uhr auch wirklich geschafft, sie im Beet an der Hans-Otto-Straße einzupflanzen. Wir, das waren zehn Leute mit dem erforderlichen ‚grünen Daumen‘ und der notwendigen Sorgfalt, das Angepflanzte nicht gleich wieder niederzutrampeln… Wir stellten fest, dass das Wühlen in der Erde und gelegentlich etwas Small Talk mit dem Nachbarn richtig Spaß macht. Und angenehm ermüdend ist…

  

 

Weitere zehn Leute waren auf dem Platz verteilt anderweitig tätig: Vandalismus-Schäden beseitigen (einige Dumpfbacken hatten sieben Bierflaschen zertrümmert und den Inhalt eines Müllbehälters ausgekippt), den Müll neben den überquellenden Müllbehältern aufsammeln, aber auch rechen, fegen und Rosen zurückschneiden. Der Platz konnte sich hinterher wahrlich sehen lassen – bis über Nacht einige Hirnis einen prallvollen Müllsack aufschlitzten und seinen Inhalt dort verteilten. Guten Morgen, Berlin…

  

 

 

Sanierung und Zerstörung 2017 – Gleichzeitigkeit des Gegensätzlichen

Die nachfolgenden Bilder sind Momentaufnahmen vom 18. November 2017. Das erste Bild zeigt eine originale, reparierte und neu verfugte Klinkerwand auf dem in Sanierung befindlichen Platz-Abschnitt nahe der Danziger Straße, das zweite – kaum zu unterscheiden – eine neu gemauerte Wand mit dem gleichen teuren Wittmunder Torfbrandklinker, wie er hier in den 30er Jahren zum Einsatz kam. Die freundlichen Maurer, die hier arbeiten, von altem Schrot und Korn, verrichten ihr Werk mit traditionellem Handwerkerstolz.

Den ‚Respekt‘ eines Teils der heutigen Jugend vor einem Denkmal und vor dem Schaffen von Handwerkern dokumentieren die darauf folgenden Bilder. Die Bilder vom Brunnen und die vandalisierte Bank runden das Bild ab.

 

 

Viele Anwohner meiden einen solchen Ort, weil er nicht Freude, sondern traurig macht. Es wird nicht lange dauern, bis das Brunnenplateau ganz den Gangs überlassen wird, wenn nicht… ja wenn nicht, möglichst schnell, unter Einsatz von öffentlichen Geldern und aggressiver Reinigungschemie…
Bis die nächsten Jugendlichen mit der Spraydose ihr Revier markieren.

Wird das auch in Zukunft so bleiben? …müssen??!

 

Nachtrag 1. November 2018

Dass unsere laminierten Schilder Wochen, nachem wir sie aufgehängt hatten, noch dort hingen und es keine nennenswerten Graffitis oder Tags mehr gab, stimmt froh und optimistisch!

  

  

  

  

September 2017: Fünf Jahre GärtnerInitiative!

Im September 2012 gab es – im übertragenen Sinne –  unseren ersten Spatenstich: mit dem berlinweiten ‚Saubere Sache‘-Aktionstag, zu dem der Tagesspiegel gemeinsam mit Aktionspartnern aufrief. Rückblende: Nachdem der Arnswalder Platz im Mai 2010 nach mehrjähriger (teilweiser) Sanierung feierlich den Anrainern ‚übergeben‘ wurde, verfiel er aufs Schlimmste innerhalb von zwei Jahren mangels Pflege durch das zuständige Pankower Grünflächenamt. Die Fotos im Archiv dieser Website sprechen Bände! Fassungslos und wütend über diese Vernachlässigung, folgten wir 2012 einem Aufruf des Tagesspiegel, sich auf einer eigens eingerichteten interaktiven Website für den ersten ‚Saubere Sache‘-Aktionstag einzutragen. Er fand am 15. September 2012 statt.

Dies war der Beginn nicht nur unserer politischen Kampagne für eine bessere Pflege von Berliner Parks und Gärten, insbesondere natürlich unseres großen Kiez-Gartendenkmals, sondern auch der Startschuss für das eigene beherzte öffentliche Gärtnern gemeinsam mit Anwohner*innen des Bötzowkiezes. Gleichzeitig engagierten wir uns hartnäckig für die ergänzende denkmalgerechte Herstellung des noch unsanierten Platzdrittels. Sie hat diesen Sommer endlich begonnen und wird leider wegen nicht absehbarer (!) Probleme erst im kommenden Jahr abgeschlossen. Ein Grund war die Betonschicht der zu DDR-Zeiten hergestellten Wege, die wesentlich massiver war als zunächst erkennbar, ein weiterer Grund die bislang unterhalb des Bodenniveaus verborgene südöstliche Klinkermauer, die (vermutlich durch einen Bombentreffer) erhebliche Schäden genommen hatte. (Nachfolgend findet man Informationen zum derzeitigen Planungs- und Sanierungsstand.).

Die denkmalgerechte ergänzende Sanierung war zu diesem Zeitpunkt also – nach einer vorbildlichen Bürgerbeteiligung durch die zuständige Planerin, Frau Benjamin – auf langsamem, aber gutem Wege, wie sich auch generell das Engagement des Grünflächenamtes für den Platz in diesen fünf Jahren wesentlich verbessert hatte.

Aber es steht bei weitem nicht alles so, wie man es bei einer ordentlichen Grünpflege erwarten müsste. Daher engagieren wir uns für einen jährlich mindestens einmaligen Schnitt der raumbildenden Buchenhecken, für eine Verbesserung der Abfallentsorgung (mehr, größere und rabensichere Müllbehälter, höhere Leerungsfrequenzen – insbesondere je eine Leerung vor und nach Wochenenden) sowie für eine Reinigung der gepflasterten Flächen durch Reinigungsfahrzeuge. Aus dem Grünflächenamt wird unsere Forderung unterstützt, für Reinigungsaufgaben die BSR einzusetzen. Bezirksübergreifend – sprich: gegenüber Abgeordneten und Senat – setzen wir uns dafür ein, dass die Bezirke bei der Grünpflege finanziell besser unterstützt werden. Wir fordern, dass Steuermittel entsprechend einem Teil des Betrages, der durch die von Touristen erhobene Übernachtungssteuer eingenommen wird, zweckgebunden für die bezirkliche Grünpflege eingesetzt werden.

Am 9. September 2017 hatten wir nun – nach einem leichten Arbeitseinsatz – eine kleine, aber feine Jubiläumsfeier. Sie fand passenderweise im Rahmen des berlinweiten Aktionstages statt, der ja im Jahr 2012 unser ‚Geburtshelfer‘ war. Nach Wiener Wein-Weisen vom Jedermann-Chor aus der Esmarchstraße gab es statt eines Rückblick auf fünf Jahre GärtnerInitiative eine exemplarische Würdigung all der AnwohnerInnen, die diese Initiative über die fünf Jahre hinweg oder auch nur zeitlich begrenzt begleitet und unterstützt haben. Es folgte eine kurze Information über die vorgenannten Themen und Forderungen. Anschließend durfte bei mitgebrachten Leckereien das eine oder andere Glas Sekt nicht fehlen…

 

Ergänzende denkmalgerechte Sanierung

Die Bilder zeigen die Planung und den Zustand im September 2017.

 

Die Reparatur bzw. Ergänzung defekter Stellen an der Klinkermauer wird mit dem gleichen Material durchgeführt wie ursprünglich verwendet: Wittmunder Torfbrandklinker. Die noch mit Klinker zu verblendenden Betonstufen zeigen, wie auch das Foto von dem von uns angelegten Rosenbeet, um wie viel das Niveau abgesenkt wurde. Die Pflege der Rosen erübrigte sich zu diesem Zeitpunkt: das Beet war unzugänglich und sollte im Herbst ohnehin aufgehoben werden. Die Rosen fanden dann an anderen Stellen auf dem Gartendenkmal einen neuen Platz, und im darauffolgenden Frühjahr sollten an der selben Stelle wieder die gleichen Westerland-Rosen neu gepflanzt werden.

  

Die damalige Absperrung war so weiträumig, weil auch die Zuwege von der Hans-Otto-Straße und von der Bötzowstraße (nachfolgend im Bild) wie auch die ‚Boulevard‘ genannten umlaufenden Wege erneuert wurden. Alle erhielten eine wassergebundene, verdichtete Sandoberfläche wie schon die anderen Boulevards.

Ein toller Gärtnertag inmitten der Sommerferien

Bei unserem Gärtnertermin am 19. August 2017 kamen unerwartet viele Leute: über zwanzig Erwachsene und zahlreiche Kinder. Die Stimmung war wie das Wetter – früher hätte man gesagt: bombig, doch das Wort hat heute einen fahlen Beigeschmack. Sagen wir: klasse, prima, ausgezeichnet. Wir haben viel geschafft, sind aber bei einigen Aufgaben in STREIK getreten. Auch dazu mehr Informationen in einer aktualisierten Ausgabe dieser Website bis Ende  August.

  

Das erste – und sicher nicht das letzte Mal – schloss sich an das übliche gemeinsame Kaffetrinken ein Boule-Spiel an. Schöööön 🙂 !

Juni 2017 begann die Sanierung des restlichen Platzes

Mitte Juni 2017 wurde es ernst mit den seit 2013 schmorenden Umbau-Absichten für das noch unsanierte Platz-Drittel zur Danziger Straße hin. Das Gelände mit der Rasenfläche wurde um ca. 30 cm tiefer gelegt, sodass die alten Klinker-Einfassungen wieder zur Geltung kommen, die Betonwege wurden durch denkmalgerechte Wege ersetzt. Der Plan: nach historischem Vorbild Hecken pflanzen und Beete anlegen. Neue Bänke und Müllbehälter sollten das Bild abrunden und für Aufenthaltsqualität sorgen.

      

Abfall in Parks und Gärten

Impressionen vom Müllproblem am Arnswalder Platz. Stand: Mai 2017.

 

Müllbehälter: zu klein, zu wenige, viel zu selten geleert; Pizza-Assietten passen nicht hinein.

  

Wie selbstverständlich landen Kippen (im Bild: schon zusammengekehrt) und Kronkorken auf dem Boden. Sie verfangen sich in dem Gestrüpp, das unter den Bänken in den Fugen des kaum pflegbaren Kleinpflasters wächst.

Ein lesenswerter Artikel der Journalistin Anna Kröning in Welt Online / N24 setzt sich auf breiterer Basis mit dem Vermüllungsproblem in hiesigen Parks und Gärten auseinander und nimmt den Arnswalder Platz aufs Korn: „So verdreckt ist die Müllhauptstadt Berlin“ – hier als Links zu einer Pdf-Datei sowie (zeitlich befristet) als Online-Fassung mit einigen wütenden Kommentaren…

Ein weiterer interessanter Artikel zu diesem Thema fand sich im Mai im Tagesspiegel. Autor ist der engagierte SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck (SPD): „Sagen wir dem Schmutz endlich den Kampf an!“

Hier unsere Forderungen:

  • City Tax verwenden: Nutzung eines Betrags, der einem Teil der Einnahmen aus der Übernachtungssteuer (‚City Tax‘) entspricht, für die Reinhaltung insbesondere von öffentlichen Parks, Plätzen und Gärten, Begründung: Touristen brauchen diese Orte zum Erholen von ‚Sightseeing-Stress‘ und verschmutzen sie anteilig mit Verpackungsmüll
  • BSR einsetzen: Flächendeckender Einsatz der BSR für die Entsorgung und Reinigung von Müll in öffentlichen Parks und Gärten (gegenwärtig läuft nur ein Modellversuch) sowie für das Reinigen von gepflasterten Flächen mit Kehrmaschinen
  • Wochenendreinigung und Task Force: Reguläre Reinigung der Naherholungsflächen mit hoher Wochenend-Aufenthaltsfrequenz (Parks, öffentliche Gärten und Plätze) insbesondere samstags und sonntags, bei Schönwetter verstärkt durch eine Task Force (Wochenendarbeit – in vielen Dienstleistungsbereichen eine Selbstverständlichkeit!)
  • Ordnungsamt einschalten: Erweiterung der Aufgaben der sehr zahlreichen Ordnungsamts-Mitarbeiter*innen, die den ruhenden Verkehr überwachen, um Müll-Monitoring sowie im Winter Kontrolle der Einhaltung der Räumpflicht (viele Berliner scheren sich einen feuchten Kehricht um diese Vorschrift!)
  • Sperrmüll ohne Extra-Gebühr: Mehrmalige gebührenfreie Sperrmüllsammlung im Jahr zu regional festen Terminen, um den vielen illegalen Ablagerungen von Sperrmüll – einschließlich der zahllosen Fahrradleichen – entgegenzuwirken.

GärtnerInitiative erhielt Denkmalschutz-Medaille

Am 1. Dezember 2016 wurde uns – auf Empfehlung des Berliner Landeskonservators – im Roten Rathaus die Ferdinand-von-Quast-Medaille überreicht, eine Auszeichnung für Bürger-Engagement im Bereich der Denkmalpflege. Wir nahmen sie stellvertretend für alle entgegen, die sich seit September 2012 vor allem gärtnernd, aber auch Kuchen backend und sonstwie engagiert haben.

Die Medaille isimg_8948-smallt nach dem ersten preußischen Staatskonservator benannt.  Gemeinsam mit uns erhielten diese Auszeichnung im Jahr 2016 zwei weitere Gärtner-Initiativen, nämlich die ‚Bürger für den Lietzensee e.V.‘ und der ‚Arbeitskreis Steppengarten‘. Außerdem wurden Medaillen für je zwei Personen vergeben, die sich forschend bzw. ein Wohnhaus der Moderne sanierend um den baulichen Denkmalschutz verdient gemacht haben (Dr. Sibylle Badstübner-Gröger / Prof. Dr. Ernst Badstübner und Dr. Ute Linz / Dr. Peter K. Bachmann).

 

img_8942-smallWir haben uns sehr über die anerkennenden Worte von Landeskonservator, Prof. Dr. Jörg Haspel (Foto), sowie über die fundierte und launige Laudatio des Gartendenkmalpflegers Klaus Lingenauber gefreut und uns im Namen aller ehrenamtlichen Helfer bedankt. Die Urkunde mit Begründung der Medaillen-Vergabe finden Sie hier.

Wir als GärtnerInitiative haben uns in unserer Ansprache auf den Widerspruch konzentriert, dass in Berlin zwar oft Investitionsmittel für die Sanierung oder Neuanlage von Parks und Gärten vorhanden sind, aber nicht ausreichend Geld für die anschließende Pflege durch die Bezirke zur Verfügung steht – mit katastrophalen Folgen für den Pflege- und Erhaltungszustand der Grünanlagen. Wir haben unsere Forderung erneuert, einen Betrag, der den Einnahmen der Übernachtungssteuer (City Tax) entspricht, für die touristische Infrastruktur und damit auch für Parks und Gärten zu nutzen. Hier ein ausführlicherer Auszug aus der Rede von Carsten Meyer.

September 2016, Grund zum Feiern: 4 Jahre GärtnerInitiative!

Als der Tagesspiegel Mitte September 2012 erstmalig zur berlinweiten ‚Saubere Sache‘-Aktion aufrief, meldete Carsten Meyer ein Projekt zur Reinigung und Verschönerung des Arnswalder Platzes an. Angeregt von der Öffentlichkeitsarbeit des Tagesspiegels und von im Bötzow-Viertel ausgehängten Plakaten kamen rund 60 Leute und fegten, harkten, schnitten, jäteten, was das Zeug hielt. Verbunden war die Aktion mit einem Protestschreiben mit Forderungen an Senat und Bezirk, das spontan 58 Leute unterzeichneten: nach aufwändiger Sanierung und feierlicher Einweihung im Mai 2010 war dieses Gartendenkmal (!) binnen zwei Jahren mangels jeder Pflege durch den Bezirk zu einem verwahrlosten Un-Ort geworden, den die AnwohnerInnen mieden. Mit regelmäßigem Engagement auf dem Platz hat die Initiaitive in vier Jahren viel erreicht: Tonnen Grünschnitt und Unkraut entfernt und ebensolche Mengen Müll gesammelt, aber auch drei neue Beete angelegt und dem Platz seine Aufenthaltsqualität für die Anrainer wiedergegeben.

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Das haben einige Engagierte am 10. September 2016 bei Sekt und Käseplatte gefeiert – nach getaner Arbeit… Wobei deutlich wurde: das Grünflächenamt muss viel mehr gegen die überbordende Vermüllung des Platzes tun und Dinge zuverlässig erledigen, die wir nicht leisten können, insbesondere den Schnitt der Hecken und das maschinelle Fegen der gepflasterten Flächen.

Mit diesen Forderungen werden wir am Ball bleiben!

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Beet an der Bötzowstraße angelegt

Wir, die GärtnerInitiative Arnswalder Platz, konnten im November 2015 ein völlig heruntergekommenes Beet an der Bötzowstraße erneuern lassen. Es befindet sich am mittigen Zugang zum Arnswalder Platz hinter der Info-Tafel. Ermöglicht wurde das durch eine Zahlung für Ausgleichsmaßnahmen der Firma REWE an den Bezirk Pankow für die Bodenversiegelung der Werneuchener Wiese – dort war ein provisorischer REWE-Markt während der Bauzeit des neuen Supermarktes an der Pasteurstraße errichtet worden.

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Von diesen Naturausgleichsmitteln, die für die versiegelte Fläche zunächst für den Zeitraum von einem Jahr 100.000,- € betragen, wurde der GärtnerInitiative auf unseren Antrag hin ein Betrag bewilligt, der u.a. für dieses Beet zweckgebunden eingesetzt werden konnte. Wir selber haben dann die Planung übernommen, die vom Grünflächenamt übrigens vollständig akzeptiert wurde. Während wir das Beet an der Pasteurstraße (am Eingang links) selber bepflanzt und die Pflanzen selber beschafft hatten, haben wir die Ausführung diesmal komplett an einen Gartenbaubetrieb vergeben. Der Boden war einfach zu problematisch (z.B. da stark verdichtet und mit vielen Baumwurzeln durchsetzt) und die Fläche zu groß, als dass wir dies im Rahmen unserer samstäglichen Gärtnertermine hätten schaffen können.

Viel mehr als ein Namensschild…

Dass der Arnswalder Platz „Arnswalder Platz“ heißt, konnte man jahrzehntelang ausschließlich an dem Namen der Tram-Haltestelle ablesen. Seit dem 24. März 2015 findet man den Namen endlich auch auf dem Platz selber. Nicht schwarz auf weiß wie bei einem Straßennamenschild, sondern weiß auf preußisch-blau: auf einer Infotafel, gestaltet entsprechend dem Retro-Design des Landesdenkmalamts, Abteilung Gartendenkmalpflege. Es finanzierte auch diese Infotafel, gemeinsam mit dem Bezirk Pankow. Herr Lingenauber vom Gartendenkmalamt lüpfte am 24. März das vorgehängte weiße Tuch und hielt eine kleine Ansprache, bevor wir gemeinsam mit ‚Anwohnern auf die Tafel anstoßen konnten. Auf ihr ist einiges mehr zu erfahren ist als nur der Platz-Name… Am besten vorbeikommen und vor Ort lesen! Oder den bequemen Weg wählen: einen Mausklick.

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Kommunikation mit Senat und BVV – Rückblick 2014

Seit dem Start der GärtnerInitiative Arnswalder Platz im September 2012 hatten wir mehrere Anläufe unternommen, den Bezirk Pankow und den Berliner Senat – namentlich den damaligen Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit – in die Pflicht für Berliner Plätze, Parks und Gärten zu nehmen: zum einen als Bringschuld für die Bürger/innen Berlins, die kieznahe Oasen für die Naherholung brauchen. Und zweitens, weil es für Berlin aus Gründen des Tourismus ein Anliegen sein muss, Parks und Gärten in einem akzeptablen Zustand zu halten.

Der Bezirk Pankow kooperiert inzwischen gut mit uns (bis 2016 auf politischer Ebene: Baustadtrat Jens-Holger Kirchner, auf der Verwaltungsebene: Leitung und MitarbeiterInnen des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamtes). So wurden manche zuvor vernachlässigte Reparaturen und gärtnerische Arbeiten ausgeführt.

Das gleiche kann für den Senat nicht gesagt werden. Die Aktivitäten von Klaus Wowereit und der Senatskanzlei beschränkten sich stets auf freundliche Grußworte und Vertröstungen in die Zukunft. Einen Aufschluss darüber gibt unser Briefwechsel mit dem Senat. Einen Rückblick finden Sie nachfolgend.

 

Rückblick auf unsere Kommunikation mit Politik und Verwaltung

Abgesehen davon, dass Bürger-Engagement dem Zeitgeist entspricht und – wie beim gemeinsamen Gärtnern! – auch oft Spaß macht, tauchen Fragen auf: was ist die Rolle unserer gewählten Volksvertreter dabei? Wie kann Bürgerarbeit intelligent und mit angemessenem finanziellem Aufwand koordiniert, beraten und unterstützt werden? Das wollten wir vom Senat und der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Pankow – zu dem Prenzlauer Berg und damit auch das Bötzowviertel gehört – wissen. Wir stellen hier die entsprechende Korrespondenz ins Netz.

Wegen der für die Gesamtstadt wichtigen Aspekte (Stichwort: Stadtimage / Tourismus / Gesamtverantwortung des Senats für die Stadt) verfassten wir – noch an unserem ersten ‚Saubere Sache‘-Aktionstag, dem 15. September 2012 – einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Wowereit mit vier konstruktiv-kritischen Fragen an den Senat. Diese Fragen waren noch am 15. September von 58 Anwohnern spontan unterschrieben worden. Die für uns unbefriedigende Antwort aus der Senatskanzlei datiert vom 24. September 2012. Wir hakten mit einem Schreiben an Herrn Wowereit vom 1. Oktober nach und vertieften insbesondere die Frage nach der Rolle der Politik zur Unterstützung von Freiwilligenarbeit. Datiert vom 15. Oktober 2012 kam die Antwort einer Mitarbeiterin des Regierenden Bürgermeisters, dass unsere Briefe an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt weiter geleitet worden seien.

Deren sehr fundierte Antwort stellen wir hier ebenso ein wie auch  unsere Reaktion darauf, die auf die noch offenen Fragen hinweist.

Unmittelbar verantwortlich für öffentliche Anlagen aber ist der Bezirk. So erhielt auch der Bezirksbürgermeister von Pankow, Matthias Köhne, am 15. September einen Brief mit vier Fragen von 58 Bürgern an die Bezirksverordnetenversammlung.

(Die gelben Textmarkierungen in den Briefen haben wir wegen der besseren Online-Lesbarkeit hinzugefügt. Die Unterschriften entfallen bei den pdf-Dokumenten.)

Der Politik zeigen, was ’ne Harke ist!

Wir hören’s immer wieder: unser ‚Public Gardening‘ im Bötzow-Kiez macht Spaß. Man hat sich ausgepowert (mehr oder weniger, wie’s gefällt), hat Stadtnatur hautnah erfahren, sich bei Kaffee und Kuchen  gelabt und beim Klönschnack über’n Gartenzaun Neues aus dem Bötzowviertel erfahren. Anschließend fühlt man sich wieder richtig ‚geerdet‘.

Andererseits wollen wir mit unserer freiwilligen Bürgerarbeit nicht Ausputzer für Versäumnisse der Politik sein. Sie vernachlässigt in weiten Teilen Berlins traditionelle Regelaufgaben der Park- und Gartenpflege, für die wir schließlich Steuern zahlen. Berlin ist gerade bei einer emnid-Umfrage unter 20 deutschen Städten bei der Frage, wie zufrieden Bürger/innen mit dem Pflegezustand von Parks und Grünanlagen sind, mit Abstand auf dem letzten Platz gelandet. (Siehe z.B. einen Bericht in der Berliner Zeitung.)

Darum beschränken wir uns nicht auf unsere Freiwilligenarbeit. Sondern wir nehmen auch die Politik in die Pflicht. Die Verantwortung sehen wir nicht zuletzt beim Senat, der selbstverständlich die Gesamtstadt im Auge haben muss und nicht bequem auf die ausschließliche Zuständigkeit der Bezirke verweisen kann.  Hier ein Beispiel: Der Bezirk Pankow gibt jährlich nach Aussage des Baustadtrats Jens-Holger Kirchner ca. 100.000 € allein für die Reinigung des Mauerparks aus, der in jedem internationalen Berlin-Reiseführer als Event-Ort steht. (Wegen der daraus folgenden Übernutzung ist er als ‚Park‘ kaum noch zu erkennen). Diese Zeche zahlt der Bezirk. Dieser Betrag steht dann den kieznahen, vor allem von Anwohnern genutzten Parks, Plätzen und Gärten nicht mehr zur Verfügung. Eigentlich ist klar: der Mauerpark ist von übergeordnetem touristischem Interesse für die Gesamtstadt. Der Senat erklärt sich aber nicht verantwortlich und schiebt dem Bezirk – und damit den Kiezbewohnern – den schwarzen Peter zu.

Daher haben wir im Juli 2014 Briefe an den Regierenden Bürgermeister und an Finanzsenator Nußbaum geschrieben weil wir wissen wollten: welche Verantwortung übernimmt der Senat? Und was geschieht mit der Übernachtungssteuer (‚City Tax‘), die seit diesem Jahr für Hotelübernachtungen von Touristen  erhoben wird – vergleichbar einer Kurtaxe, die ja auch in die touristische Infrastruktur investiert wird?

Die Antworten sind ernüchternd und werden politisch begründet. Näheres nachfolgend:

Was kann und will der Senat tun?

Zum großen Sommerfest auf dem Arnswalder Platz am 28. Juni 2014 hatten wir einen Brief  an den Regierenden Bürgermeister bzw. den Senat aufgesetzt, der in wenigen Stunden von 155 Festbesuchern unterschrieben wurde. Wir setzen uns darin für folgende Forderungen ein:

  • Einsatz eines substantiellen Teils der Einnahmen aus der Übernachtungssteuer (‚City Tax‘) für Pflegemaßnahmen an Parks und Gärten in Berlin, um die Aufenthaltsqualität und Attraktivität der Stadt zu steigern
  • Aufstellung einer ‚Task Force‘ für Park-Reinigungseinsätze an Schönwettertagen und Wochenenden
  • Unterstützung der Bezirke bei der Professionalisierung von Aufgaben zur Pflege öffentlicher Anlagen, insbesondere
    • Ausschreibung eines berlinweit einsetzbaren Abfall-Entsorgungssystems für öffentliche Anlagen (rabensicher, ästhetisch, mit Aschenbecher, gut leerbar etc.) Anmerkung: Das Resultat wäre ein Angebot an die Bezirke und würde so nicht gegen die vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene eigenständige Verantwortung der Bezirke u.a. in Fragen der Bewirtschaftung der Bezirkshaushalte verstoßen.
    • Anschaffung von Kehrmaschinen und Stellung entsprechenden Personals für asphaltierte und gepflasterte Oberflächen in den Parks, die den Bezirken zur Verfügung gestellt würden. Dies ist eine der Aufgaben, die ehrenamtliche Gärtner und Bezirke übersteigt und die nicht effizient mit dem Besen erledigt werden können.
  • Unterstützung von Pilotprojekten zur optimierten Kooperation von Bürgern und Grünflächenämtern bei der Pflege öffentlicher Grünanlagen, kurzfristig als Teilprojekt der IGA 2017

Diesen Brief und die anonymisierte Unterschriftenliste finden Sie per Mausklick, ebenso wie die Antwort darauf, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im Auftrag der Senatskanzlei verfasste..

Wir suchen für diese politische Initiative den Schulterschluss mit dem Bezirk. Eine Mail mit entsprechendem Inhalt hatten wir am 6. Juli 2014 an die Herren Kirchner und Terlinden geschrieben. Sie finden den Text  hier, ebenso wie wir die Antworten darauf an dieser Stelle einstellen.

Einen weiteren Brief richteten wir am 27. Juni 2014 an den damaligen Finanzsenator Dr. Nußbaum: Wie wird die City Tax eingesetzt? Kommt sie der touristischen Infrastruktur und insbesondere Parks, Plätzen und Gärten zugute? Die Antwort im Auftrag von Herrn Nußbaum ist eine Sammlung von ‚Wenns‘ und ‚Abers‘. Kernaussage: Die Steuereinnahmen sind nicht zweckgebunden und fließen in den regulären Haushalt, falls aber mehr eingenommen wird als geschätzt, dann vielleicht… In  dem Schreiben wird auch auf das Landesdenkmalamt verwiesen, dessen Mittelausstattung, wie wir wissen, denkbar minimal ist, sowie natürlich wieder: auf die Bezirke.

Was können wir tun?

Beide Briefe verweisen darauf, dass der Zustand auf „politisch gewollten rechtlichen, fiskalischen und organisatorischen Prinzipien“ beruhe (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) bzw. auf einen Beschluss des Berliner Angeordnetenhauses zurückzuführen sei (Senatsverwaltung für Finanzen).

Die Konsequenz für uns musste sein, auf Abgeordnete einzuwirken, damit sie sich für entsprechende politische Weichenstellungen einsetzen. Unser Thema der Pflege von Parks, Plätzen und Gärten sowie das Erscheinungsbild der Stadt für Touristen  ist ein Querschnittsthema, das keiner politischen Partei eindeutig zugeschrieben werden kann. Damals, im Sommer 2014, baten wir um Anregungen: welche Abgeordneten könnten wir ins Boot holen? Seit 2017 erfreuen wir uns der flankierenden Unterstützung von Tino Schopf MdA (SPD Wahlkreisabgeordneter über Direktmandat).

Mai 2014: die kreative Seite des Gärtnerns!

Bei unzähligen Garteneinsätzen seit September 2012 hatte die GärtnerInitiative nur einmal die Gelegenheit gehabt, zu pflanzen, nämlich Mitte Juni 2013: Rosen im Beet unterhalb des Brunnenstube. Am 17. Mai  2014 konnten wir erstmals wieder eine große Pflanzaktion durchführen. Ungefähr 440 Büsche, Stauden, Bodendecker und Ranker haben wir auf zwei Beeten an der Pasteurstraße und ergänzend im Rosenbeet unterhalb des Brunnens (zur Danziger Straße hin) eingepflanzt.  Es kamen ca. 30 Anwohnerinnen und Anwohner – die gutgelaunten und fleißigen Kinder nicht mitgerechnet!

Außerdem

  • entfernten wir Wildkräuter im Rosenbeet an der Brunnenstube
  • befreiten wir ein vom Bezirk Pankow im letzten Sommer an der Hans-Otto-Straße angelegtes Rosenbeet vom Unkraut und schnitten viel Totholz aus den Hundsrosen am Beet heraus
  • bereinigten unermüdliche Kinder und Jugendliche Wegekanten von Spontanvegetation
  • fegten und harkten Helfer/innen auf befestigten Wegen Laub und Dreck weg.

Nicht zuletzt hat die Aktion – bei bestem Wetter – viel Spaß gemacht, weil man sich ein wenig in städtischer Natur auspowern konnte und sich viele Gespräche mit Nachbarn aus dem Kiez ergaben.

Wir danken in diesem Zusammenhang Café Ballon, Bäckerei Lau und einzelnen Anwohnern für ihren Beitrag in Form von Kaffee und Kuchen! Und nicht zuletzt haben wir uns gefreut, dass der Kauf der Pflanzen, die Vorbereitung des Bodens, die Bewässerung und der Abtransport des Grünschnitts durch die Unterstützung des damaligen Bezirks-Stadtrates Jens-Holger Kirchner, des damaligen Pankower Bezirksamts-Leiters Jürgen Terlinden und Mitarbeiterinnen des bezirklichen Landschaftsplanungsamtes erst möglich wurde.

Hier einige Bilder von der Aktion am 17. Mai 2014.

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Resümee 2013: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Nachdem der Platz bis Mai 2010 zu zwei Dritteln saniert und der Bevölkerung feierlich übergeben worden war, wurde er vom Bezirk nicht mehr gepflegt, sondern sich selber überlassen. Und verkam in kurzer Zeit zur hässlichen Karikatur eines Gartendenkmals.

Doch seit unserer ‚Saubere Sache‘-Aktion vom 15. September 2012 unterstützte das Tiefbauamt des Bezirks Pankow unser Engagement. Innerhalb eines Jahres wurden deutliche Fortschritte erzielt: die Hecken wurden geschnitten, der Stierbrunnen und der kleine Froschbrunnen repariert, Vandalismusschäden beseitigt, Rosen neu gepflanzt und anschließend sogar gepflegt.

Unsere Gärtner-Initiative ist seit ihrem Start am 15. September 2012 ein Erfolg, der  auf dem Engagement der beteiligten Bürgerinnen und Bürger des Bötzowviertels beruht. Die Aktionen am Platz machen Spaß, lassen uns Nachbarschaft neu erleben und stärken unsere Identifikation mit dem Kiez. Und das Bürgerengagement hat auch zu mehr Aktivitäten seitens des Bezirks beigetragen.

Am Ball bleiben: Bürger und Bezirk! (Textstand: 2013)

Ohne Bürgerengagement wird sich auch in Zukunft die Qualität des Arnswalder Platzes nicht weiter verbessern. Einige Areale sind immer noch in einem beklagenswerten Zustand. Deshalb wird es auch weiterhin darauf ankommen, dass die Bewohner des Bötzowkiezes selbst Hand anlegen. Wir werden dabei auch zukünftig den Bezirk in die Pflicht nehmen und bauen auf die weitere konstruktive Unterstützung durch den grünen Bau-Stadtrat Jens-Holger Kirchner. Ein Gespräch mit ihm ist in Vorbereitung [d.h.: 2013]. Es soll dabei um eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Bürgern und Bezirk gehen, in dem Spannungsfeld:

  • Erwartungen von – zum Großteil Steuern zahlenden – Bürgern an die öffentliche Verwaltung, Aufgaben zur Pflege des öffentlichen Raumes zu übernehmen, insbesondere von Orten, die der öffentlichen Erbauung und Erholung dienen, wie es bei Parks und Gärten der Fall ist
  • Bereitschaft von Bürgern, nicht ‚dem Staat‘ gegenüber in passiver Erwartungshaltung zu verharren, sondern sich gemeinsam für öffentliche Belange zu engagieren –auch zum eigenen Vorteil und Vergnügen, nämlich um Gemeinschaft zu erfahren und das eigene Lebensumfeld zu verbessern

Ergänzung 2014:‚Bötzowkiezler‘ nutzen diesen Platz

IMG_4731Es ist schön zu sehen, wie der ‚Arnsi‘ jetzt von den Anwohnern angenommen und viel stärker als früher genutzt wird! Ein Höhepunkt waren bislang zwei tolle Kiez-Sommerfeste [bis dahin: 2013 und 2014] unter dem Motto  ‚Stierisch gut‘ ausschließlich mit Künstlern und Ausstellern aus dem Bötzowviertel. Ihr Gelingen beruht auf der unermüdlichen Vorbereitung eines runden Dutzend Ehrenamtlicher.  Unsere Gärtnerinitiative war natürlich auch dabei, siehe Foto. Weitere Informationen und Bilder finden Sie auf dem Menü oben unter SOMMERFEST.

IMG_4622aAber auch im Alltag ‚brummt‘ dieser Platz: Freunde spielen Boule, unterschiedlichste Leute sitzen entspannt auf den Bänken und schauen auf die Fontäne, Familien feiern oder picknicken. Kinder lieben es, in den kleinen Nebenbecken zu planschen und sich ein wenig abzukühlen. Ein Problem ist es allerdings, wenn sie anfangen, dort mit Kies, Steinen, Sand, Gras und Stöckchen Staudämme zu bauen. Das macht natürlich Spaß: Viele Kinder bauen gerne Dämme. Aber in diesem Fall hat es üble Folgen für die Brunnentechnik (Verstopfung durch Verunreinigungen) und die wassergebundene Oberfläche des Brunnenplateaus (sie weicht auf, wenn das gestaute Wasser sich dort seinen Weg bahnt). Doch jetzt hat der Bezirk den Froschbrunnen auf dem Spielplatz wieder in Gang gebraucht – das bedeutet endlich wieder: Matsch Fun für die Kleinen – ohne Schäden am denkmalgeschützten Stierbrunnen!

Politische Prioritäten

Der nach aufwändiger, teurer Sanierung vom Bezirk circa zwei Jahre lang vollständig vernachlässigte Arnswalder Platz ist in Berlin keine Ausnahme. Vielerorts befinden sich Parks und Gärten in einem erbarmungswürdigen Pflegezustand. Der Senat setzt offenbar andere Prioritäten, häufig auf Großprojekte – Großflughafen BER, Großbibliothek Tempelhofer Feld zulasten dezentraler Stadtbibliotheken, A100-Ausbau und anderes. Die Niederungen der tagtäglich von Berlinern und Touristen erlebten Stadt geraten dabei zu oft aus dem Blickfeld. So sind Pflegemangel und Verwahrlosung in Parks und Gärten verbreitet, wo wir Städter – und die Besucher Berlins! – Entspannung und Freude finden sollten. Wir werden diese Prioritätensetzung im Auge behalten. Und immer wieder kritisch kommentieren, getreu unserem Motto: „Wir zeigen der Politik, was ’ne Harke ist!“

Vernachlässigte Grünanlagen sind arm und nicht ‘sexy’

Verdreckte und wuchernde Parks vertragen sich nicht mit dem Profil einer Stadt, für die Tourismus ein zentraler Wirtschafsfaktor ist. Für unsere viel ärmeren Vorväter war es eine Selbstverständlichkeit, Bürgern und Besuchern zu ihrer Entspannung und Erbauung gepflegte Grünanlagen zu bieten. Warum sollte sich das die Hauptstadt eines der wohlhabendsten Länder Europas nicht leisten können – zumal angesichts der Steuer-Mehreinnahmen durch den Tourismus?

Gute Zusammenarbeit

Allerdings: Die am 15.09.2012 gestellten kritisch-konstruktiven Fragen von 58 Anwohnern an die Politik anlässlich der Vernachlässigung des Gartendenkmals Arnswalder Platz sind bei Pankower Politikern und Behördenmitarbeitern auf fruchtbaren Boden gefallen. Das insgesamt gute Miteinander mit dem Bezirk motiviert uns nach wie vor zum Weitermachen:

Für den 8. März 2013 lud uns der Pankower Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner, zu einem Ortstermin auf dem Arnswalder Platz. Mit dabei waren auch zwei Mitarbeiterinnen des Landschaftsplanungsamtes, Bereich Pflegen und Unterhaltung (Frau Gralmann und Frau Benjamin) sowie der Landschaftsplaner Kolbe, der im Auftrag des Bezirks die Planung für die Sanierung des Gartendenkmals Arnswalder Platz übernommen hatte.

Nachdem im Auftrag des Bezirks drei vandalisierte Leuchten repariert und die Hainbuchenhecken auf das richtige Maß geschnitten wurden, gibt es nun weitere erfreuliche Signale für die nahe Zukunft. So besteht berechtigte Hoffnung, dass im Jahr 2014 das noch nicht sanierte Drittel des Platzes zur Danziger Straße hin ebenfalls wiederhergestellt wird. Hoffentlich mit einem entsprechenden Pflegeplan verbunden…

Wir werden einen von Baustadtrat Kirchner angebotenen Gesprächstermin dafür nutzen, um weiteres mit ihm, der Gartendenkmalpflege und Mitarbeitern des Tiefbauamtes zu besprechen.

Public-Private Partnership der bürgernahen Art

Wenn Bürger ergänzend zur Arbeit der finanziell klammen Bezirke einen Beitrag zur weiteren Aufwertung der Anlagen leisten sollen (und dazu sind viele bereit), bedarf es dafür vernünftiger Kooperations-Konzepte und einer ausreichenden Finanzierung. Es wäre eine Verschwendung von Ressourcen und Arbeitskraft, das den Bezirken alleine zu überlassen: Hier ist nicht zuletzt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gefragt.

Aber vielleicht entsteht hier in Pankow ein Modellprojekt für die Kooperation Bürger/Bezirk bei der Pflege öffentlicher Plätze? Es wäre nicht das erste Mal, dass Pankow Vorreiter bei der Lösung kiezbezogener Probleme ist. [Nun, das war meine wohlmeinende Annahme im Jahr 2014. – Kommentar Carsten Meyer, 2018]

Aktion ein Jahr nach erstem ‚Saubere Sache‘-Engagement

Am 15. September 2012 fand unsere erste Aktion ‚Saubere Sache‘ auf dem Arnswalder Platz statt, bei der wir mit Besen und allerlei Gartengerät dem verwahrlosten und verkrauteten Gartendenkmal zu neuem Glanz verhalfen. Seitdem haben wir mehrfach mit größerer oder kleinerer Beteiligung die Platzanlage gepflegt und schließlich auch neu gepflanzt, wo Unkraut zwischenzeitlich Stauden erstickt hatte.

IMG_4834bIMG_4847IMG_4848aAm 14. September 2013 rückten Anwohner des Bötzow-Kiezes im Rahmen der erneuten berlinweiten ‚Saubere Sache‘-Aktion auf dem ‚Arnsi‘ wieder dem unbändig wuchernden Grün zu Leibe. Der Tagesspiegel hatte diese Aktion wieder federführend organisiert, publizistisch begleitet und unsere GärtnerInitiative in einem  Artikel vorgestellt.

Um es deutlich zu machen: der Arnswalder Platz ist kein Urwald – auch wenn es zwischenzeitlich so aussah. Sondern ein Gartendenkmal, das auf der Idee von verantwortungsvollen Grünplanern beruht, das steinerne, baulich verdichtete Berlin durch gestaltete Grünplätze aufzuwerten. Zur Erholung und seelischen Erbauung der Bürger. Grünplätze zum Sich-Wohlfühlen. Orte der öffentlichen Kommunikation, der Entspannung und des Spiels.

 

Wie wir begannen

Der Startschuss der GärtnerInitiative Arnswalder Platz war die erste ‚Saubere Sache‘-Aktion des Tagesspiegels an diesem 15. September 2012. Der Tagesspiegel hatte eine Internetplattform erstellt, wo sich berlinweit BürgerInnen für eine Stadtreinigungs- bzw. Verschönerungsaktion anmelden konnten. Ich, Carsten Meyer, meldete eine Aktion für den Arnswalder Platz an. Grund dafür war mein Ärger, dass der Platz nach seiner aufwändigen Sanierung in den Jahren bis 2010 dann innerhalb von zwei Jahren mangels Pflege völlig heruntergekommen war und nur noch in alkoholisiertem Zustand ertragen werden konnte – was verbreitet geschah. Mit gravierenden Vandalismusschäden.

An diesem Tag kamen ca. 60 erwachsene AnwohnerInnen und viele Kinder, die Massen von Unkraut entfernten, die ausufernden Hecken schnitten, überwucherte Wegekanten wiederherstellten, verdreckte Treppen und Wege fegten, Laub und Zweige harkten und Müll entfernten. Kooperationspartner war die Berliner Stadtreinigung (BSR). Sie stellte Besen, Greifzangen und Handschuhe. Frau Benjamin, die Neubauplanerin des Pankower Grünflächenamtes, packte mit an.

Angesichts des herabgewirtschafteten Gartendenkmals sah ich dringenden politischen Handlungsbedarf wandte ich mich an den Senat und die Pankower Bezirksverwaltung. Die Forderungen an Senat und BVV unterschrieben in einer von mir vorbereiteten Petition gleich an diesem ersten Tag 58 Personen!

Diese Forderungen sind in Briefen enthalten, die ich – ähnlich formuliert – an den Regierenden Bürgermeister und an den Pankower Bezirksbürgermeister richtete. Der Brief an den Regierenden Bürgermeister ist nachfolgend auszugsweise dokumentiert:

 

Berlin, 15.09.2012

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

[…]  Als Bewohner des Bötzow-Viertels in Prenzlauer Berg habe ich eine Reinigungs- und Grünpflege-Aktion auf dem benachbarten, völlig heruntergekommenen Arnswalder Platz initiiert. Es kamen zu unserer Freude und Überraschung über 60 engagierte Nachbarn – die vielen Kinder nicht mitgerechnet -, die Unkraut gejätet, Müll entfernt, Hecken und Rosen geschnitten, gefegt und geharkt haben.

Das GARTENDENKMAL  Arnswalder Platz  war für 1,3 Millionen Euro in mehreren Jahresabschnitten bis 2010 zu zwei Dritteln gartendenkmalpflegerisch korrekt wiederhergestellt worden. Die Hälfte davon floss in die Wiederherstellung des monumentalen ‚Stierbrunnens‘ und seines Umfelds.

Seit Monaten ist der Brunnen trocken gefallen (Wasserrohrbruch, der nicht repariert wird), Laub vom Vorjahr bedeckte die Wege, Treppen verschwanden unter kompostierendem Laub, die schönen vor ca. drei Jahren gepflanzten Rosen und andere Stauden sind vom Unkraut weitestgehend verdrängt worden, die Wegekanten überwuchert, die im Zuge der Sanierung angelegten wassergebundenen Oberflächen mit Unkraut übersät, Glasscherben lagen im Umfeld der beiden Spielplätze.

Die Mittel für die Grünpflege des Bezirks Pankow sind mittlerweile auf NULL zurückgefahren, und bei den zuständigen Ämtern wird kontinuierlich Personal abgebaut. Nicht einmal für die Reparatur einer der bis Mai 2010 wiederhergestellten Lampen (2 kleine Glasscheiben gingen kurz nach Einweihung durch Vandalismus zu Bruch, Schadenshöhe ca. 200 Euro) war Geld da. Der Bruch wurde damals mit einer blauen Mülltüte verhüllt, die sich mittlerweile weitgehend aufgelöst hat. Ein jämmerlicher Anblick. [Es folgt ein Hinweis auf den ähnlich heruntergekommenen Wasserturmplatz.]

Heute also waren ca. 60 in der Nachbarschaft lebende Bürger stundenlang sehr fleißig. Der Platz wirkt schon deutlich sauberer, aber durch das entfernte Unkraut sehen die Rabatten aus wie gerupfte Hühner.

Es wurde von allen, mit denen ich gesprochen habe, geäußert: Das war für uns Anwohner nicht die letzte Aktion dieser Art. Unter der Voraussetzung allerdings, dass sich Senat und BVV bzw. der Bezirk Pankow nicht weiter von ihrer Verantwortung für den öffentlichen Raum verabschieden. Das bekräftigen die 58 Unterschriften, der engagierten Nachbarn. ICH LEGE DIESE LISTEN IM ORIGINAL BEI. Die Fragen an den Senat bitten wir Sie zu beantworten, die Fragen an die BVV, die ich z.H. Herrn Bezirksbürgermeister Köhne mit gleicher Post schicke, fügen wir der Vollständigkeit halber hinzu. Die bitte an mich zu richtende Antwort werde ich den Unterzeichnenden per Internet mitteilen.

Fragen an den Senat

  1. Wie verträgt sich die teilweise gravierende Vernachlässigung des öffentlichen Raums – wofür der Arnswalder Platz ein Beispiel ist – mit der Tourismus-Branche als zentral wichtigem Wirtschaftsfaktor für Berlin?
  2. Warum übernimmt nicht der Senat Berlins – Hauptstadt des wirtschaftlich stärksten EU-Landes – in der Gesamtstadt Verantwortung für eine ausreichende Pflege der öffentlichen Plätze und Gärten?
  3. Warum werden die Mittel zur Grünpflege nicht zweckgebunden an die Bezirke vergeben, um eine Zweckentfremdung wie im Bezirk Pankow zu vermeiden?
  4. Zusammenfassend: Warum lässt der Senat es zu, dass Gartendenkmale wie der Arnswalder Platz zu traurigen Orten und Schandflecken der Stadt werden?

[Grüße etc.]

Analog in einem Brief an den Pankower Bezirksbürgermeister Köhne:
Fragen an die Bezirksverordneten­versammlung von Pankow

  1. Dass der Bezirk für die mehrere Jahre dauernde Sanierung des Arnswalder Platzes knapp 1,3 Millionen Euro ausgibt und das Gartendenkmal anschließend durch mangelnde Pflege verkommen lässt, ist eine Verschwendung von Steuermitteln. Wie wollen Sie dies dem Steuerzahler und dem Rechnungshof gegenüber rechtfertigen?
  2. Wer soll die Kosten tragen, wenn die durch die Vernachlässigung entstan­denen Schäden (z.B. das Auswachsen der Buchenhecken zu Bäumen) mit großem Aufwand behoben werden müssen?
  3. Wie wollen sie verhindern, dass das soziale Milieu des Arnswalder Platzes – wie schon zu beobachten – weiter abgleitet, weil der Ort zunehmend von Anwohnern gemieden wird?
  4. Welche Anstrengungen unternimmt der Bezirk, die defekte Wasserleitung des Stierbrunnens reparieren zu lassen, indem z.B. öffentlichkeitswirksam um Sponsoren geworben wird?

 

 

Verwahrlosung: wie saniert, so ruiniert

Was bis 2010 über mehrere Jahre für 650.000 € saniert worden war, verfiel innerhalb von zwei Jahren mangels Pflege. Hier ein visueller Eindruck aus dem September 2012 – unmittelbar vor unserem ersten Gärtner-Einsatz: von Unkraut überwucherte Beete und Wegkanten, verkrautete Treppen, verschmutzte Pflasterung etc.

 

 

 

Infolge ausbleibender Fürsorge durch den Bezirk sank das Ansehen des Platzes rapide. Der entstandene Mangel an Respekt fand bei manchen Jugendlichen in Form von Vandalismus seinen Ausdruck. Das Grünflächenamt reagierte nicht adäquat: Auf eine nach ihrer Sanierung zerstörte Leuchte reagierte es, indem es einen Müllbeutel darüber stülpte. Nach zwei Jahren waren nur noch Fetzen davon übrig.

  

 

 

Vorspiel: Einweihung des sanierten Gartendenkmals

Der Arnswalder Platz war für 1,3 Millionen Euro in mehreren Jahresetappen bis 2010 zu zwei Dritteln gartendenkmalpflegerisch korrekt wiederhergestellt worden. Die Hälfte davon floss in die Sanierung des monumentalen ‚Stierbrunnens‘, die andere Hälfte in die Sanierung bzw. Wiederherstellung der baulichen Anlagen (Klinkermauern, Leuchten, Pflasterungen, Wege, umfängliche Pflanzungen von Rosen, Sträuchern, Bodendeckern etc.)

 

Am 12. Mai 2010 gab es eine feierliche Einweihung des Platzes, und der Brunnen wurde wieder in Betrieb genommen. Es sprachen Bezirksbürgermeister Matthias Köhne, der das Objekt betreuende Gartendenkmalpfleger Klaus Lingenauber und andere Honoratioren. Ein Bläserensemble spielte auf. Die Stimmung war frohgemut, die Kinder eroberten sofort freudig den Brunnen!

Wohl niemand ahnte das Grauen der Verwahrlosung, das nun folgen sollte.

Gewürdigt! – Entwürdigt! – Rehabilitiert? Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer in Pankow

Autor: Carsten Meyer
GärtnerInitiative Arnswalder Platz
Pro Kiez Bötzowviertel e.V.

Lesen Sie hier, wie das Ansehen von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer, zwei herausragenden preußischen Landschaftsgärtnern, im Bezirk Pankow malträtiert wird.

Erfahren Sie, wie damit auch das Image führender deutscher Gartenbauverbände und des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten beschädigt wird.

Entdecken Sie einen Unort mit Potential für hohe Aufenthaltsqualität am Rande des Volksparks Friedrichshain: die Werneuchener Wiese.

Erlangen Sie Einblick in den Zusammenhang des Bürgerengagements für die Aufwertung eines Lenné-Meyer-Ehrenmals mit der zukünftigen Nutzung der Werneuchener Wiese und erfahren Sie etwas über die mangelnde Einbindung der Bürger durch die Bezirksämter trotz entsprechendem BVV-Beschluss.

Lassen wir uns alle ermutigen durch die ideelle Unterstützung von Kulursenator Klaus Lederer und das Engagement des Wahlkreisabgeordneten Tino Schopf für eine Aufwertung.

Und lassen Sie sich schließlich inspirieren von der Idee eines würdigen Gedenkorts für Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer. Für Peter Joseph Lenné gibt es in Berlin noch kein einziges Denkmal! Grund genug, sich dafür zu engagieren.

Lesen Sie weiter: Wer soll hier eigentlich geehrt werden?

Wer soll hier eigentlich geehrt werden?

Peter Joseph Lenné, 1789-1866, der Altmeister der preußischen Gartenkunst, Zeitgenosse Schinkels, ist sicher vielen bekannt. So vielen grünen Orten in Berlin verlieh er seine Handschrift. Dazu zählen unter anderem der Landschaftsgarten Glienicke, die Pfaueninsel, der Landschaftspark-Anteil des Schlossparks Charlottenburg, der Zoologische Garten, der Tiergarten, die Gartenanlage des Schlosses Friedrichsfelde, der Lustgarten, die ursprüngliche Gartenanlage des Leipziger Platzes, die Umgestaltung des Schönhauser Schlossparks zum Landschaftspark, die Umgestaltung des Luisenstädtischen Kanals zu einem Grünzug.

Von Lenné stammt auch die Idee zur Schaffung des Volksparks Friedrichshain als östliches Gegenstück zum Tiergarten, der als erster kommunaler Park Berlins nicht für Königshaus und Adel, sondern ausschließlich für die Bevölkerung geschaffen werden sollte.

Aber kennen Sie Gustav Meyer?
„Meyer? Der Name kommt mir irjendwie bekannt vor. Aber Justaf? Justav Meyer? Kenn ick nich.“ So geht es sicher vielen Berlinern und insbesondere Neubürgern wie dem Autoren, der von den Leistungen seines Namensvetters zuvor nichts wusste. Nun: Gustav Meyer, 1816-1877, ist ein Schüler Lennés und arbeitete später auch in dessen Büro. Als 1870 das Berliner Gartenbauamt gegründet wurde, übernahm Meyer dessen Leitung als Städtischer Gartendirektor von Berlin. Basierend auf Lennés Volkspark-Idee schuf er Parks nicht für Eliten, sondern als Erholungsstätten für alle Bürger der Stadt. Auf seine Entwürfe gehen zum Beispiel der Volkspark Humboldthain, der Treptower Park, der Kleine Tiergarten und eben der Volkspark Friedrichshain zurück.

Desen heutiger Zustand entspricht natürlich nicht mehr in Gänze dem Meyer’schen Entwurf: die Nationalsozialisten hatten für ihre Kriegsmaschinerie zwei Flakbunker errichtet, die nach dem Krieg mit dem Schutt zerstörter Häuser aufgeschüttet wurden. Diese Trümmerberge wurden dann in der heute bekannten Form gestaltet.

Lesen Sie weiter: Wo ist das Ehrenmal versteckt?

Wo ist das Ehrenmal ‚versteckt‘?

Das Ehrenmal für Lenné und Gustav Meyer befindet sich kaum wahrnehmbar an der Virchowstraße in Prenzlauer Berg in unmittelbarer Nähe zum Volkspark Friedrichshain. Gegenüber befindet sich das ‚Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten‘. Das Gelände des Ehrenmals wird begrenzt von je einer lückenhaften, halbrunden und meist ungeschnittenen Buchenhecke an der Kniprodestraße und an der Margarete-Sommer-Straße; auf der verkrauteten, nur sehr selten gemähten Wiese befinden sich zwei Eichen, davor große Würfel mit Graffiti bzw. Tags.

 

Man könnte sie für Betonwürfel halten – bis man näher tritt und Verblüffendes entdeckt: Sie sind aus Granit, auf ihnen befindet sich je eine flächendeckende Bronze-Tafel. Hier erfahren wir: Die beiden Eichen wurden zu Ehren von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer gepflanzt – unter der Schirmherrschaft führender deutscher Institutionen im Bereich der Landschafts-, Park- und Gartenkultur. Die beiden Tafeln weist aus: die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, den Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, den Landesverband Gartenbau und Landwirtschaft, den Fachverband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau, die traditionsreiche Deutsche Gartenbaugesellschaft 1822, die Technische Fachhochshule (TFH, heute Beuth-Hochschule) sowie die grünen Fachbereiche der TU Berlin. Der heutige Zustand des ‚Ehrenmals‘ erweckt den Eindruck: diese Schirmherren haben ihren Rettungsschirm an der Garderobe abgegeben und dort vergessen. Mit diesem ungestalten, gärtnerisch vernachlässigten Mal wollen sie zwei herausragende preußische Landschaftsgärtner ehren? Und dergestalt stellen sich die honorigen Initiatoren der Ehrung selber dar? Auf diesem tristen Gelände? Mit diesen beschmierten Steinen und zwei Eichen, von ihnen gepflanzt „zu ehrendem Gedenken … wie auch zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger“?!

Und man fragt sich weiter: Wie konnte es geschehen und zugelassen werden, dass sich eine als Ehrung gedachte Anlage ins Gegenteil entwickeln konnte – eine Entehrung?

Ich lade dazu ein, mitzudiskutieren und sich zu engagieren, damit diese kleine Fläche zu einer der Würde von Lenné, G. Meyer und dem Renommee der aufgeführten Verbände angemessen gestaltet und daraus ein Ort mit Aufenthaltsqualität für uns Bürger*innen und unsere Besucher*innen wird!

Die sich daraus ergebende Aufgabe steht im Zusammenhang mit der Frage, was auf der Werneuchener Wiese geschehen soll – dem Gelände, auf dem sich das Ehrenmal befindet. Hier stehen nach Jahrzehnten des Stillstands Veränderungen an! Mehr dazu im Abschnitt Von der Werneuchener Wiese zur ‚Werneuchener Bürgerwiese‘.

Lesen Sie weiter: Warum ein Ehrenmal? Warum an diesem Ort? Warum in dieser Form?!

Warum ein Ehrenmal? Warum an diesem Ort? Warum in dieser Form?!

Das Ehrenmal wurde in zwei Abschnitten in den Jahren 1995 und 1997 errichtet. Anlass waren zwei Jubiläen. 1995 wurde die Gustav Meyer-Eiche gepflanzt: 125 Jahre zuvor, also 1870, war eine ‚Deputation für städtische Park- und Gartenanlagen‘ (später: Berliner Gartenbauamt) gebildet worden, deren Leitung am 1. Juli Meyer als ‚Städtischer Gartendirector‘ übernahm.

Die Ehrung für Peter Joseph Lenné mit der zweiten Eiche und einem weiteren Gedenkstein erfolgte zwei Jahre später. Damit wurde die Gründung der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822, also 175 Jahre früher, als ‚Verein zur Beförderung des Gartenbaues im preußischen Staate‘ gewürdigt, deren Mitbegründer Lenné war.

Die Wahl für den Ort fiel zum einen aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum Volkspark Friedrichshain, der beide Männer – als Ideengeber und Planer – miteinander verbindet. Dass das Areal andererseits unmittelbar an ein eng bebautes Wohnviertel anschließt – das Bötzowviertel in Prenzlauer Berg – reflektiert zum anderen die Volksnähe der beiden Grünplaner.

Der planerische Gedanke hinter diesem heute desolaten, ungestaltet wirkenden Gelände erschließt sich erst auf den zweiten Blick: beim Blick auf den Plan Meyers für den Volkspark sowie dem des Grünflächenamtes Pankow für das Ehrenmal.

Angelehnt an die Idee des englischen Landschaftsgartens im Stile Lennés, plante Gustav Meyer für den Friedrichshain eine naturnahe Gestaltung mit geschwungenen Wegen, Baumgruppen und geschützten Orten für die Muße suchenden Park-Flaneure. Diese Orte waren oft geschützt durch raumbildende Hecken, nicht selten in Form eines Ovals. Ein Niveau-Unterschied im Gelände betonte häufig diese Form. (Grün markiert: das Ehrenmal-Areal auf der Werneuchener Wiese [gelb markiert])

Diese Ideen griff die Planung des Grünflächenamtes auf. Die beiden halbkreisförmigen Hecken begrenzten ein langestrecktes Oval, eine Tieferlegung des Geländes innerhalb des Ovals sollte die beabsichtigte Raumbildung unterstützen. Dieses Oval erschließt sich nur noch aus einer Fotografie der Baumaßnahme, es ist heute nivelliert und nicht mehr zu erkennen. Für eine Ehrung mit der Pflanzung von Eichen entschied man sich, weil die Eiche ein von Meyer wegen des ‚Eindrucks ernster Würde‘ besonders geschätzter Baum war. Die Schlichtheit des Entwurfs wird unter anderem damit begründet, dass die Planer gegenüber dem benachbarten antifaschistischen Ehrenmal zurückhaltend auftreten wollten.

Die Entscheidung für horizontal platzierte Granitwürfel als Träger der Bronzetafeln ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Die Tafeln sind in dieser Position schlecht und bei Regen überhaupt nicht lesbar, weil Wasser nicht abfließen kann. Außerdem wirken die Würfel in dieser Position unelegant und krude, und sie wecken beim Passanten nicht den Wunsch, näher zu treten. Dass sich darauf Schrifttafeln verbergen, ist nicht erkennbar. Dass dieser Ort zwei hochrangige Gartenarchitekten würdigen soll, erst recht nicht.

Lesen Sie weiter: Wer engagiert sich, wer (noch) nicht?

Wer engagiert sich, wer (noch) nicht?

Im Dezember 2017 nahm ich Kontakt mit den auf den Bronzetafeln aufgeführten Verbänden auf, die ihr vom Bezirk Pankow so stiefmütterlich behandeltes Ehrenmal schlichtweg nicht mehr ‚auf dem Schirm’ hatten. Besonders aufgeschlossen und engagiert zeigte sich auf Anhieb Philipp Sattler, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL). Er managt auch das vom Umweltministerium geförderte Netzwerk Garten und Mensch, dessen Ziel u.a. ist: „Wahrnehmung und Bewusstsein für gestaltetes Grün als Kulturfaktor erhöhen; interessierte Bürger*innen einbinden und ihre Motivation und Eigeninitiative wachhalten“. Und um nichts anderes soll es ja bei diesem Projekt gehen, das nicht nur die zwei großen Gärtner würdigen, sondern auch Bewusstsein für deren Wirken schaffen soll sowie generell für den Wert von gepflegten öffentlichen Grünanlagen.

Herr Sattler lud die Vertreter der auf den Bronzetafeln aufgeführten Gartenbauverbände zum 31. August 2018 zu einem Gedankenaustausch ein, darüber hinaus auch

  • Herrn Erhard Mahler (ehemaliger Leiter der Berliner Grünverwaltung),
  • Herrn Hans-Georg Büchner (Direktor des Stadtgartenamtes Ost-Berlin),
  • Herrn Wolfgang Krause (ehemaliger Gartenamtsleiter Prenzlauer Berg),
  • Herrn Tino Schopf MdA (SPD),
  • Frau Antje Solmsdorf (Lenné-Akademie)
  • und natürlich Vertreter von Pro Kiez Bötzowviertel e.V.

Herr Heredia vom Pankower Stadtentwicklungsamt und Herr Holtkamp von der Planergemeinschaft, die im Auftrag des Bezirks u.a. mit der Neuplanung der Werneuchener Wiese befasst ist, informierten über die demnächst beabsichtigte Nutzung der Werneuchener Wiese. Näheres siehe ‚Von der Werneuchener Wiese zur Werneuchener Bürgerwiese‘.

Mit meinem virtuellen Rundgang über das Ehrenmal-Gelände per PowerPoint-Präsentation wurde den anwesenden Fachleuten deutlich: ein gestalterischer Status Quo ist nicht akzeptabel, nur mit besserer Pflege ist es hier nicht getan. Genau dies aber war die Position eines von Baustadtrat Kuhn zitierten Mitarbeiters des Straßen- und Grünflächenamtes. Alle anwesenden Vertreter*innen der Gartenbauverbände und der Lenné-Akademie unterzeichneten als sachkundige Gegenposition die von mir vorbereitete, hier dokumentierte Petition. (Die beiden in amtlichem Auftrag Anwesenden enthielten sich aus nachvollziehbaren Gründen der Stimme.)

Lesen Sie weiter: Wie kann man den Ehrenmal-Ort aufwerten?

Wie kann das Ehrenmal aufgewertet werden?

Um mit der Aufwertung des Areals voranzukommen und eine Diskussionsgrundlage zu bieten, habe ich eine grafisch laienhafte Entwurfsskizze angefertigt. Leitziele waren dabei, die Würdigung der beiden Gartenkoryphäen wiederherzustellen, einen Ort mit höherer Aufenthaltsqualität zu schaffen und die Sichtbarkeit zu verbessern. Folgende Vorschläge für Gestaltungselemente sind in den Entwurf eingeflossen:

  • Ergänzung der halbrunden Heckenpflanzungen, jedoch mittige Öffnung zu den angrenzenden Straßen (ein geschlossenes Halbrund wirkt wie eine Barriere)
  • Wegebezüge, die der Idee des gestreckten Ovals folgen, sowie Aufwertung der Trampelpfad-Verbindung an der Virchowstraße (wassergebundene Oberfläche)
  • Kreissegment-Bänke, die die Rundung der Hecken aufnehmen, um Aufenthaltsqualität zu schaffen
  • Diagonalstellung der Granitwürfel: eleganterer Eindruck, bessere Lesbarkeit der Tafeln, Regenwasser läuft ab, die entwürdigende Nutzung der Tafeln als Picknick- und Frisiertisch für Hunde wird unterbunden
  • Wiederherstellung des tiefergelegten Ovals zwecks Raumbildung
  • Schaffung eines runden (oder ovalen) Mittelpunkts in Form eines Beetes, eines Monuments oder eines Brunnens als Blickfang und zur Gliederung des sehr langgestreckten Areals
  • Schaffung einer optischen Begrenzung zum Nachbargrundstück z.B. in Form einer Hecke oder niedrigen Böschung, etwa mit trockenresistentem Bewuchs (z.B. Schmuck-Gräser)
  • Aufstellung von Informationstafeln: zumindest zum Wirken von Lenné und G. Meyer, möglichst auch zur bewegten Geschichte der ehemals bebauten Werneuchener Wiese und des Volksparks Friedrichshain

Und wie geht’s jetzt weiter mit dem Ehrenmal?

‚Jetzt liegt der Ball im Feld der Straßen- und Grünflächenamtes‘, wie Herr Sattler (DGGL) es bereits im September 2018 formulierte. Nun, am 20. November  gab es eine Sitzung mit Behörden- und Bürgervertretern beim Bezirksamt Pankow auf Einladung des Baustadtrats Vollrad Kuhn (Grüne). Drei Tage vorher besuchte uns Kultursenator bei den ‚Gedenksteinen des Anstoßes‘. Wir berichten darüber drei ‚Kapitel‘ weiter.

Doch zunächst Informationen zu dem Gelände, auf dem das Ehrenmal sich befindet: die Werneuchener Wiese. Dort wird es gravierende Änderungen geben!
Lesen Sie weiter: Die Werneuchener Wiese

Die Werneuchener Wiese

Die Werneuchener Wiese ist das Geviert zwischen Danziger Straße, Kniprodestraße, Virchowstraße und Margarete-Sommer-Straße; sie umfasst eine Fläche von knapp 3 Hektar. Auf ca. 2.500 Quadratmetern an der Virchowstraße befindet sich das Ehrenmal für Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer, auf dem Luftbild unten links innerhalb der gestrichelten Linie zu erkennen.

 Das gesamte Gelände war vor dem Krieg mit Wohnhäusern bebaut. Um vom Flakbunker freies Schussfeld gegen die einrückende Rote Armee zu haben, wurden die letzten Häuser geschleift, die den Bombenkrieg überstanden hatten. Mehr erfahren Sie in einem sehr informativen Artikel von Albrecht Molle aus dem Jahr 2000.

Das Gelände im Zuständigkeitsbereich des Straßen- und Grünflächenamtes Pankow ist eine Grünfläche ohne Aufenthaltsqualität und ohne Gestaltungskonzept. Ein Schild ‚Geschützte Grünanlage‘ wirkt wie Hohn, die große Fehlstelle im Zentrum spiegelt deren Zustand wider.

Diese Fläche am Rand des Bezirks Pankow wirkt wie ein vergessenes Niemandsland: Hier eine Tankstelle mit Bestandsschutz, dort derzeit noch mehrere Beachvolleyballfelder, teils unter Straßenniveau; eine doppelte Baumreihe zeugt von der Absicht, eine Fußgängerallee zu schaffen. Doch es gibt auf dem ganzen Areal keinen einzigen angelegten Weg, ausschließlich – nach Regen matschige – Trampelpfade. Immerhin bildet diese Hunde-Auslauffläche eine wichtige Frischluftschneise parallel zur Kniprodestraße. Wir Anwohner fordern, dass sie für das Mikroklima und die Luftzirkulation als Grünanlage erhalten bleiben, aber aufgewertet werden muss. Es gibt immer noch keinen beschlossenen Bebauungsplan, der das festschreibt. Auf diesem Gelände stehen, unter anderem durch Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) Pankow vom November 2017, Veränderungen an…

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Von der Werneuchener Wiese zur ‚Werneuchener Bürgerwiese‘

Die mangelhaften Wege und der Zustand des Lenné-/Meyer-Areals mit seinen Granitwürfeln waren für mich der Anstoß, mich an Politik und Verwaltung zu wenden. Tino Schopf MdA (SPD), über ein Direktmandat im Berliner Abgeordnetenhaus, führte dieses Anliegen mit der Initiativgruppe ‚Kunst und Gemüse’ zusammen, die für die Werneuchener Wiese ein Konzept für ein sozial orientiertes ‚Urban Gardening‘ Projekt für die ortsansässige Bevölkerung entworfen hatte. Aus dem Zusammenschluss heraus entwickelte sich ein Gesamtkonzept für ein Projekt Werneuchener Bürgerwiese‘, das im November 2017 von der BVV Pankow einstimmig beschlossen wurde. Es erging damit der Auftrag der BVV an die Verwaltung, es in Kooperation mit ortsansässigen Bürgerinitiativen und Interessierten zu verwirklichen. Wir engagierten Bürger nahmen bislang an einem einzigen gemeinsamen Gespräch mit Vertretern der zuständigen Ämter teil – im Dezember letzten Jahres. Die nächste Einladung an die Verfasser dieses Konzeptes erging für den 20. November 2018 – ein Jahr nach dem BVV-Beschluss! Dort sollten die Ergebnisse eines Bodengutachtens zur Werneuchener Wiese vorgestellt werden und mit den Bürgern, dem BVV-Beschluss gemäß, über das weitere Vorgehen zur Realisierung der ‚Werneuchener Bürgerwiese‘ gesprochen werden. Zum Kreis der Eingeladenen gehören auch die auf der Wiese spielenden Beach-Volleyballer von ‚City Beach Berlin‘, die nun in das Nutzungskonzept eingebunden werden sollen.

Über diese für uns engagierte Bürger*innen deprimierende Sitzung informieren wir zwei Kapitel weiter. Doch zunächst zum wesentlich erfreulicheren Besuch des Berliner Kultursenators, drei Tage vorher im Rahmen des Gärtner-Samstags unserer GärtnerInitiative.

Lesen Sie hier: Kultursenator Lederer besucht das Ehrenmal

Kultursenator Lederer besucht das ‚Ehrenmal‘ – was kommt nun von Grünverbänden und Bezirk?

Wir haben uns sehr über den Besuch von Kultursenator Dr. Klaus Lederer am Ehrenmal am 17. November 2018 gefreut. Er zeigte sich bei der Ansicht dieses zu einer Karikatur verkommenen ‚Ehrenmals‘ erschüttert und sagte uns Unterstützung bei unserem Kampf für dessen Aufwertung zu. Er meinte, bei den erheblichen Investitionen für den in Aussicht stehenden benachbarten Schulbau müsste auch der Betrag vorhanden sein, um das Ehrenmal grundlegend zu erneuern und eine den beiden Landschaftsgärtnern und den auf den Bronzetafeln ‚verewigten’Grünverbänden würdige Anlage zu schaffen – mit Aufenthaltsqualität für die Besucher*innen des Ortes!

Offenbar fand Senator Lederer auch die Idee sympathisch, diesen besonderen Schulstandort – an drei Seiten von Grün umgeben! – für das Konzept eines ‚grünen Klassenzimmers‘ zu nutzen: im Norden Urban Gardening mit der Möglichkeit, dort einen Schulgarten einzubinden, im Osten der Volkspark und im Süden das Ehrenmal, über das Wertschätzung für diesen Park und für die Kultur öffentlicher Grünanlagen vermittelt wird.

Hier ein Link zu einem lesenswerten Artikel von Bernd Wähner in der Berliner Woche (Ausgabe Prenzlauer Berg) vom 05.12.2018, in dem er über den Besuch des Kultursenators bei der GärtnerInitiative und am Gärtner-Ehrenhain berichtet.

Wir Bürger vor Ort und der ebenfalls sehr engagierte Philipp Sattler von der DGGL sind nun gespannt, was von den Vertreter*innen der anderen einschlägigen grünen Verbände und der Lenné-Akademie an Ideen und Bausteinen der Unterstützung eintreffen wird! Wie engagieren sie sich für die Gartenkunst, für die ihr Name steht – und zwar in Bronze gegossen auf den Ehren-Tafeln für Lenné und Meyer? – Nun, bis Anfang Dezember 2018 haben wir immerhin  ermutigende Signale vom ehemaligen Gartenamtsleiter Prenzlauer Berg und von der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 erhalten. Wir warten noch darauf, dass die anderen Verbände sich rühren.

Vor allem: wird der Bezirk Pankow den für Berlins Garten-Koryphäen und die grünen Verbände gleichermaßen unwürdigen Zustand endlich fantasievoll und dynamisch angehen?

Wir waren daher gespannt auf eine Sitzung am 20. November 2018, zu der der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn engagierte Bürger von Pro Kiez / GärtnerInitiative sowie Kunst & Gemüse und Vertreter des auf dem Gelände spielenden City Beach Berlin eingeladen hatte.

Lesen Sie hierzu: Was plant die Bauverwaltung mit der Werneuchener Wiese?