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Die Kinderflohmarkt-Posse

Lesen Sie nachfolgend die Realsatire um die Genehmigung der traditionellen Kinderflohmärkte auf dem Arnswalder Platz im Jahr 2018.. Sehr bedauerlich war, dass leitende Beamte beim Straßen- und Grünflächenamt auf unsere konstruktiven Vorschläge zur Vereinfachung und bürgerfreundlicheren Organisation der Verwaltungsvorgänge – bis hin zur Entwicklung eines Antragsformulars für die Nutzung des öffentlichen Raums – keine Stellung bezogen hatten. Auch nicht betreffs unserer Nachfrage, ob bestimmte Verwaltungsvorschläge nicht schlanker gestaltet werden könnten, z.B. wenn es um die Genehmigung von harmlosen Kinderflohmärkten geht: Acht behördliche Stellen müssen dazu Gutachten schreiben… Genehmigung von  Kinderflohmärkten am Arnswalder Platz – eine Schildbürger-Posse der Verwaltung Der traditionelle Kinderflohmarkt in der Bötzowstraße am Arnswalder Platz wurde für das Jahr 2018 nicht genehmigt. Dann aber doch. Der Weg zur Genehmigung wirft ein Schlaglicht auf Berliner Entscheidungsprozesse – und warum es mit dem neuen Flughafen nicht klappt. Stichwort: Verantwortungs-Diffusion. Liebe Leserin, lieber Leser, strapazieren Sie für einen Moment Ihr inneres Auge. Was sehen Sie bei dem Begriff ‚Kinderflohmarkt‘ vor sich? Kommerzielles Treiben, Lautsprecherboxen, aus denen wummernde Bässe dröhnen, Grillrauchschwaden, Konsum von Speisen und Getränken, Müllhaufen …

Sanierung und Zerstörung 2017 – Gleichzeitigkeit des Gegensätzlichen

Die nachfolgenden Bilder sind Momentaufnahmen vom 18. November 2017. Das erste Bild zeigt eine originale, reparierte und neu verfugte Klinkerwand auf dem in Sanierung befindlichen Platz-Abschnitt nahe der Danziger Straße, das zweite – kaum zu unterscheiden – eine neu gemauerte Wand mit dem gleichen teuren Wittmunder Torfbrandklinker, wie er hier in den 30er Jahren zum Einsatz kam. Die freundlichen Maurer, die hier arbeiten, von altem Schrot und Korn, verrichten ihr Werk mit traditionellem Handwerkerstolz. Den ‚Respekt‘ eines Teils der heutigen Jugend vor einem Denkmal und vor dem Schaffen von Handwerkern dokumentieren die darauf folgenden Bilder. Die Bilder vom Brunnen und die vandalisierte Bank runden das Bild ab.     Viele Anwohner meiden einen solchen Ort, weil er nicht Freude, sondern traurig macht. Es wird nicht lange dauern, bis das Brunnenplateau ganz den Gangs überlassen wird, wenn nicht… ja wenn nicht, möglichst schnell, unter Einsatz von öffentlichen Geldern und aggressiver Reinigungschemie… Bis die nächsten Jugendlichen mit der Spraydose ihr Revier markieren. Wird das auch in Zukunft so bleiben? …müssen??!   Nachtrag 1. November 2018 Dass unsere …

September 2017: Fünf Jahre GärtnerInitiative!

Im September 2012 gab es – im übertragenen Sinne –  unseren ersten Spatenstich: mit dem berlinweiten ‚Saubere Sache‘-Aktionstag, zu dem der Tagesspiegel gemeinsam mit Aktionspartnern aufrief. Rückblende: Nachdem der Arnswalder Platz im Mai 2010 nach mehrjähriger (teilweiser) Sanierung feierlich den Anrainern ‚übergeben‘ wurde, verfiel er aufs Schlimmste innerhalb von zwei Jahren mangels Pflege durch das zuständige Pankower Grünflächenamt. Die Fotos im Archiv dieser Website sprechen Bände! Fassungslos und wütend über diese Vernachlässigung, folgten wir 2012 einem Aufruf des Tagesspiegel, sich auf einer eigens eingerichteten interaktiven Website für den ersten ‚Saubere Sache‘-Aktionstag einzutragen. Er fand am 15. September 2012 statt. Dies war der Beginn nicht nur unserer politischen Kampagne für eine bessere Pflege von Berliner Parks und Gärten, insbesondere natürlich unseres großen Kiez-Gartendenkmals, sondern auch der Startschuss für das eigene beherzte öffentliche Gärtnern gemeinsam mit Anwohner*innen des Bötzowkiezes. Gleichzeitig engagierten wir uns hartnäckig für die ergänzende denkmalgerechte Herstellung des noch unsanierten Platzdrittels. Sie hat diesen Sommer endlich begonnen und wird leider wegen nicht absehbarer (!) Probleme erst im kommenden Jahr abgeschlossen. Ein Grund war die Betonschicht …

Ergänzende denkmalgerechte Sanierung

Die Bilder zeigen die Planung und den Zustand im September 2017.   Die Reparatur bzw. Ergänzung defekter Stellen an der Klinkermauer wird mit dem gleichen Material durchgeführt wie ursprünglich verwendet: Wittmunder Torfbrandklinker. Die noch mit Klinker zu verblendenden Betonstufen zeigen, wie auch das Foto von dem von uns angelegten Rosenbeet, um wie viel das Niveau abgesenkt wurde. Die Pflege der Rosen erübrigte sich zu diesem Zeitpunkt: das Beet war unzugänglich und sollte im Herbst ohnehin aufgehoben werden. Die Rosen fanden dann an anderen Stellen auf dem Gartendenkmal einen neuen Platz, und im darauffolgenden Frühjahr sollten an der selben Stelle wieder die gleichen Westerland-Rosen neu gepflanzt werden.    Die damalige Absperrung war so weiträumig, weil auch die Zuwege von der Hans-Otto-Straße und von der Bötzowstraße (nachfolgend im Bild) wie auch die ‚Boulevard‘ genannten umlaufenden Wege erneuert wurden. Alle erhielten eine wassergebundene, verdichtete Sandoberfläche wie schon die anderen Boulevards.

Juni 2017 begann die Sanierung des restlichen Platzes

Mitte Juni 2017 wurde es ernst mit den seit 2013 schmorenden Umbau-Absichten für das noch unsanierte Platz-Drittel zur Danziger Straße hin. Das Gelände mit der Rasenfläche wurde um ca. 30 cm tiefer gelegt, sodass die alten Klinker-Einfassungen wieder zur Geltung kommen, die Betonwege wurden durch denkmalgerechte Wege ersetzt. Der Plan: nach historischem Vorbild Hecken pflanzen und Beete anlegen. Neue Bänke und Müllbehälter sollten das Bild abrunden und für Aufenthaltsqualität sorgen.       

GärtnerInitiative erhielt Denkmalschutz-Medaille

Am 1. Dezember 2016 wurde uns – auf Empfehlung des Berliner Landeskonservators – im Roten Rathaus die Ferdinand-von-Quast-Medaille überreicht, eine Auszeichnung für Bürger-Engagement im Bereich der Denkmalpflege. Wir nahmen sie stellvertretend für alle entgegen, die sich seit September 2012 vor allem gärtnernd, aber auch Kuchen backend und sonstwie engagiert haben. Die Medaille ist nach dem ersten preußischen Staatskonservator benannt.  Gemeinsam mit uns erhielten diese Auszeichnung im Jahr 2016 zwei weitere Gärtner-Initiativen, nämlich die ‚Bürger für den Lietzensee e.V.‘ und der ‚Arbeitskreis Steppengarten‘. Außerdem wurden Medaillen für je zwei Personen vergeben, die sich forschend bzw. ein Wohnhaus der Moderne sanierend um den baulichen Denkmalschutz verdient gemacht haben (Dr. Sibylle Badstübner-Gröger / Prof. Dr. Ernst Badstübner und Dr. Ute Linz / Dr. Peter K. Bachmann).   Wir haben uns sehr über die anerkennenden Worte von Landeskonservator, Prof. Dr. Jörg Haspel (Foto), sowie über die fundierte und launige Laudatio des Gartendenkmalpflegers Klaus Lingenauber gefreut und uns im Namen aller ehrenamtlichen Helfer bedankt. Die Urkunde mit Begründung der Medaillen-Vergabe finden Sie hier. Wir als GärtnerInitiative haben uns in unserer …

September 2016, Grund zum Feiern: 4 Jahre GärtnerInitiative!

Als der Tagesspiegel Mitte September 2012 erstmalig zur berlinweiten ‚Saubere Sache‘-Aktion aufrief, meldete Carsten Meyer ein Projekt zur Reinigung und Verschönerung des Arnswalder Platzes an. Angeregt von der Öffentlichkeitsarbeit des Tagesspiegels und von im Bötzow-Viertel ausgehängten Plakaten kamen rund 60 Leute und fegten, harkten, schnitten, jäteten, was das Zeug hielt. Verbunden war die Aktion mit einem Protestschreiben mit Forderungen an Senat und Bezirk, das spontan 58 Leute unterzeichneten: nach aufwändiger Sanierung und feierlicher Einweihung im Mai 2010 war dieses Gartendenkmal (!) binnen zwei Jahren mangels jeder Pflege durch den Bezirk zu einem verwahrlosten Un-Ort geworden, den die AnwohnerInnen mieden. Mit regelmäßigem Engagement auf dem Platz hat die Initiaitive in vier Jahren viel erreicht: Tonnen Grünschnitt und Unkraut entfernt und ebensolche Mengen Müll gesammelt, aber auch drei neue Beete angelegt und dem Platz seine Aufenthaltsqualität für die Anrainer wiedergegeben. Das haben einige Engagierte am 10. September 2016 bei Sekt und Käseplatte gefeiert – nach getaner Arbeit… Wobei deutlich wurde: das Grünflächenamt muss viel mehr gegen die überbordende Vermüllung des Platzes tun und Dinge zuverlässig erledigen, die …

Resümee 2013: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Nachdem der Platz bis Mai 2010 zu zwei Dritteln saniert und der Bevölkerung feierlich übergeben worden war, wurde er vom Bezirk nicht mehr gepflegt, sondern sich selber überlassen. Und verkam in kurzer Zeit zur hässlichen Karikatur eines Gartendenkmals. Doch seit unserer ‚Saubere Sache‘-Aktion vom 15. September 2012 unterstützte das Tiefbauamt des Bezirks Pankow unser Engagement. Innerhalb eines Jahres wurden deutliche Fortschritte erzielt: die Hecken wurden geschnitten, der Stierbrunnen und der kleine Froschbrunnen repariert, Vandalismusschäden beseitigt, Rosen neu gepflanzt und anschließend sogar gepflegt. Unsere Gärtner-Initiative ist seit ihrem Start am 15. September 2012 ein Erfolg, der  auf dem Engagement der beteiligten Bürgerinnen und Bürger des Bötzowviertels beruht. Die Aktionen am Platz machen Spaß, lassen uns Nachbarschaft neu erleben und stärken unsere Identifikation mit dem Kiez. Und das Bürgerengagement hat auch zu mehr Aktivitäten seitens des Bezirks beigetragen. Am Ball bleiben: Bürger und Bezirk! (Textstand: 2013) Ohne Bürgerengagement wird sich auch in Zukunft die Qualität des Arnswalder Platzes nicht weiter verbessern. Einige Areale sind immer noch in einem beklagenswerten Zustand. Deshalb wird es auch weiterhin darauf ankommen, …

Verwahrlosung: wie saniert, so ruiniert

Was bis 2010 über mehrere Jahre für 650.000 € saniert worden war, verfiel innerhalb von zwei Jahren mangels Pflege. Hier ein visueller Eindruck aus dem September 2012 – unmittelbar vor unserem ersten Gärtner-Einsatz: von Unkraut überwucherte Beete und Wegkanten, verkrautete Treppen, verschmutzte Pflasterung etc.       Infolge ausbleibender Fürsorge durch den Bezirk sank das Ansehen des Platzes rapide. Der entstandene Mangel an Respekt fand bei manchen Jugendlichen in Form von Vandalismus seinen Ausdruck. Das Grünflächenamt reagierte nicht adäquat: Auf eine nach ihrer Sanierung zerstörte Leuchte reagierte es, indem es einen Müllbeutel darüber stülpte. Nach zwei Jahren waren nur noch Fetzen davon übrig.       

Vorspiel: Einweihung des sanierten Gartendenkmals

Der Arnswalder Platz war für 1,3 Millionen Euro in mehreren Jahresetappen bis 2010 zu zwei Dritteln gartendenkmalpflegerisch korrekt wiederhergestellt worden. Die Hälfte davon floss in die Sanierung des monumentalen ‚Stierbrunnens‘, die andere Hälfte in die Sanierung bzw. Wiederherstellung der baulichen Anlagen (Klinkermauern, Leuchten, Pflasterungen, Wege, umfängliche Pflanzungen von Rosen, Sträuchern, Bodendeckern etc.)   Am 12. Mai 2010 gab es eine feierliche Einweihung des Platzes, und der Brunnen wurde wieder in Betrieb genommen. Es sprachen Bezirksbürgermeister Matthias Köhne, der das Objekt betreuende Gartendenkmalpfleger Klaus Lingenauber und andere Honoratioren. Ein Bläserensemble spielte auf. Die Stimmung war frohgemut, die Kinder eroberten sofort freudig den Brunnen! Wohl niemand ahnte das Grauen der Verwahrlosung, das nun folgen sollte.