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Gewürdigt! – Entwürdigt! – Rehabilitiert? Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer in Pankow

Autor: Carsten Meyer GärtnerInitiative Arnswalder Platz Pro Kiez Bötzowviertel e.V. Lesen Sie hier, wie das Ansehen von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer, zwei herausragenden preußischen Landschaftsgärtnern, im Bezirk Pankow malträtiert wird. Erfahren Sie, wie damit auch das Image führender deutscher Gartenbauverbände und des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten beschädigt wird. Entdecken Sie einen Unort mit Potential für hohe Aufenthaltsqualität am Rande des Volksparks Friedrichshain: die ‚Werneuchener Wiese‚. Erlangen Sie Einblick in den Zusammenhang des Bürgerengagements für die Aufwertung eines Lenné-Meyer-Ehrenmals mit der zukünftigen Nutzung der Werneuchener Wiese und erfahren Sie etwas über die mangelnde Einbindung der Bürger durch die Bezirksämter trotz entsprechendem BVV-Beschluss. Lassen wir uns alle ermutigen durch die ideelle Unterstützung von Kulursenator Klaus Lederer und das Engagement des Wahlkreisabgeordneten Tino Schopf für eine Aufwertung. Und lassen Sie sich schließlich inspirieren von der Idee eines würdigen Gedenkorts für Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer. Für Peter Joseph Lenné gibt es in Berlin noch kein einziges Denkmal! Grund genug, sich dafür zu engagieren. Lesen Sie weiter: Wer soll hier eigentlich geehrt werden?

Wer soll hier eigentlich geehrt werden?

Peter Joseph Lenné, 1789-1866, der Altmeister der preußischen Gartenkunst, Zeitgenosse Schinkels, ist sicher vielen bekannt. So vielen grünen Orten in Berlin verlieh er seine Handschrift. Dazu zählen unter anderem der Landschaftsgarten Glienicke, die Pfaueninsel, der Landschaftspark-Anteil des Schlossparks Charlottenburg, der Zoologische Garten, der Tiergarten, die Gartenanlage des Schlosses Friedrichsfelde, der Lustgarten, die ursprüngliche Gartenanlage des Leipziger Platzes, die Umgestaltung des Schönhauser Schlossparks zum Landschaftspark, die Umgestaltung des Luisenstädtischen Kanals zu einem Grünzug. Von Lenné stammt auch die Idee zur Schaffung des Volksparks Friedrichshain als östliches Gegenstück zum Tiergarten, der als erster kommunaler Park Berlins nicht für Königshaus und Adel, sondern ausschließlich für die Bevölkerung geschaffen werden sollte. Aber kennen Sie Gustav Meyer? „Meyer? Der Name kommt mir irjendwie bekannt vor. Aber Justaf? Justav Meyer? Kenn ick nich.“ So geht es sicher vielen Berlinern und insbesondere Neubürgern wie dem Autoren, der von den Leistungen seines Namensvetters zuvor nichts wusste. Nun: Gustav Meyer, 1816-1877, ist ein Schüler Lennés und arbeitete später auch in dessen Büro. Als 1870 das Berliner Gartenbauamt gegründet wurde, übernahm Meyer dessen Leitung als …

Wo ist das Ehrenmal ‚versteckt‘?

Das Ehrenmal für Lenné und Gustav Meyer befindet sich kaum wahrnehmbar an der Virchowstraße in Prenzlauer Berg in unmittelbarer Nähe zum Volkspark Friedrichshain. Gegenüber befindet sich das ‚Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten‘. Das Gelände des Ehrenmals wird begrenzt von je einer lückenhaften, halbrunden und meist ungeschnittenen Buchenhecke an der Kniprodestraße und an der Margarete-Sommer-Straße; auf der verkrauteten, nur sehr selten gemähten Wiese befinden sich zwei Eichen, davor große Würfel mit Graffiti bzw. Tags.   Man könnte sie für Betonwürfel halten – bis man näher tritt und Verblüffendes entdeckt: Sie sind aus Granit, auf ihnen befindet sich je eine flächendeckende Bronze-Tafel. Hier erfahren wir: Die beiden Eichen wurden zu Ehren von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer gepflanzt – unter der Schirmherrschaft führender deutscher Institutionen im Bereich der Landschafts-, Park- und Gartenkultur. Die beiden Tafeln weist aus: die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, den Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, den Landesverband Gartenbau und Landwirtschaft, den Fachverband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau, die traditionsreiche Deutsche Gartenbaugesellschaft 1822 sowie die grünen Fachbereiche der TU Berlin. Der heutige Zustand …

Warum ein Ehrenmal? Warum an diesem Ort? Warum in dieser Form?!

Das Ehrenmal wurde in zwei Abschnitten in den Jahren 1995 und 1997 errichtet. Anlass waren zwei Jubiläen. 1995 wurde die Gustav Meyer-Eiche gepflanzt: 125 Jahre zuvor, also 1870, war eine ‚Deputation für städtische Park- und Gartenanlagen‘ (später: Berliner Gartenbauamt) gebildet worden, deren Leitung am 1. Juli Meyer als ‚Städtischer Gartendirector‘ übernahm. Die Ehrung für Peter Joseph Lenné mit der zweiten Eiche und einem weiteren Gedenkstein erfolgte zwei Jahre später. Damit wurde die Gründung der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822, also 175 Jahre früher, als ‚Verein zur Beförderung des Gartenbaues im preußischen Staate‘ gewürdigt, deren Mitbegründer Lenné war. Die Wahl für den Ort fiel zum einen aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum Volkspark Friedrichshain, der beide Männer – als Ideengeber und Planer – miteinander verbindet. Dass das Areal andererseits unmittelbar an ein eng bebautes Wohnviertel anschließt – das Bötzowviertel in Prenzlauer Berg – reflektiert zum anderen die Volksnähe der beiden Grünplaner. Der planerische Gedanke hinter diesem heute desolaten, ungestaltet wirkenden Gelände erschließt sich erst auf den zweiten Blick: beim Blick auf den Plan Meyers für den Volkspark sowie dem …

Wer engagiert sich, wer (noch) nicht?

Im Dezember 2017 nahm ich Kontakt mit den auf den Bronzetafeln aufgeführten Verbänden auf, die ihr vom Bezirk Pankow so stiefmütterlich behandeltes Ehrenmal schlichtweg nicht mehr ‚auf dem Schirm’ hatten. Besonders aufgeschlossen und engagiert zeigte sich auf Anhieb Philipp Sattler, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL). Er managt auch das vom Umweltministerium geförderte Netzwerk Garten und Mensch, dessen Ziel u.a. ist: „Wahrnehmung und Bewusstsein für gestaltetes Grün als Kulturfaktor erhöhen; interessierte Bürger*innen einbinden und ihre Motivation und Eigeninitiative wachhalten“. Und um nichts anderes soll es ja bei diesem Projekt gehen, das nicht nur die zwei großen Gärtner würdigen, sondern auch Bewusstsein für deren Wirken schaffen soll sowie generell für den Wert von gepflegten öffentlichen Grünanlagen. Herr Sattler lud die Vertreter der auf den Bronzetafeln aufgeführten Gartenbauverbände zum 31. August 2018 zu einem Gedankenaustausch ein, darüber hinaus auch Herrn Erhard Mahler (ehemaliger Leiter der Berliner Grünverwaltung), Herrn Hans-Georg Büchner (Direktor des Stadtgartenamtes Ost-Berlin), Herrn Wolfgang Krause (ehemaliger Gartenamtsleiter Prenzlauer Berg), Herrn Tino Schopf MdA (SPD), Frau Antje Solmsdorf (Lenné-Akademie) und natürlich Vertreter von …

Wie kann das Ehrenmal aufgewertet werden?

Um mit der Aufwertung des Areals voranzukommen und eine Diskussionsgrundlage zu bieten, habe ich eine grafisch laienhafte Entwurfsskizze angefertigt. Leitziele waren dabei, die Würdigung der beiden Gartenkoryphäen wiederherzustellen, einen Ort mit höherer Aufenthaltsqualität zu schaffen und die Sichtbarkeit zu verbessern. Folgende Vorschläge für Gestaltungselemente sind in den Entwurf eingeflossen: Ergänzung der halbrunden Heckenpflanzungen, jedoch mittige Öffnung zu den angrenzenden Straßen (ein geschlossenes Halbrund wirkt wie eine Barriere) Wegebezüge, die der Idee des gestreckten Ovals folgen, sowie Aufwertung der Trampelpfad-Verbindung an der Virchowstraße (wassergebundene Oberfläche) Kreissegment-Bänke, die die Rundung der Hecken aufnehmen, um Aufenthaltsqualität zu schaffen Diagonalstellung der Granitwürfel: eleganterer Eindruck, bessere Lesbarkeit der Tafeln, Regenwasser läuft ab, die entwürdigende Nutzung der Tafeln als Picknick- und Frisiertisch für Hunde wird unterbunden Wiederherstellung des tiefergelegten Ovals zwecks Raumbildung Schaffung eines runden (oder ovalen) Mittelpunkts in Form eines Beetes, eines Monuments oder eines Brunnens als Blickfang und zur Gliederung des sehr langgestreckten Areals Schaffung einer optischen Begrenzung zum Nachbargrundstück z.B. in Form einer Hecke oder niedrigen Böschung, etwa mit trockenresistentem Bewuchs (z.B. Schmuck-Gräser) Aufstellung von Informationstafeln: zumindest zum Wirken …

Die Werneuchener Wiese

Die Werneuchener Wiese ist das Geviert zwischen Danziger Straße, Kniprodestraße, Virchowstraße und Margarete-Sommer-Straße; sie umfasst eine Fläche von knapp 3 Hektar. Auf ca. 2.500 Quadratmetern an der Virchowstraße befindet sich das Ehrenmal für Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer, auf dem Luftbild unten links innerhalb der gestrichelten Linie zu erkennen.  Das gesamte Gelände war vor dem Krieg mit Wohnhäusern bebaut. Um vom Flakbunker freies Schussfeld gegen die einrückende Rote Armee zu haben, wurden die letzten Häuser geschleift, die den Bombenkrieg überstanden hatten. Mehr erfahren Sie in einem sehr informativen Artikel von Albrecht Molle aus dem Jahr 2000. Das Gelände im Zuständigkeitsbereich des Straßen- und Grünflächenamtes Pankow ist eine Grünfläche ohne Aufenthaltsqualität und ohne Gestaltungskonzept. Ein Schild ‚Geschützte Grünanlage‘ wirkt wie Hohn, die große Fehlstelle im Zentrum spiegelt deren Zustand wider. Diese Fläche am Rand des Bezirks Pankow wirkt wie ein vergessenes Niemandsland: Hier eine Tankstelle mit Bestandsschutz, dort derzeit noch mehrere Beachvolleyballfelder, teils unter Straßenniveau; eine doppelte Baumreihe zeugt von der Absicht, eine Fußgängerallee zu schaffen. Doch es gibt auf dem ganzen Areal keinen einzigen angelegten …

Von der Werneuchener Wiese zur ‚Werneuchener Bürgerwiese‘

Die mangelhaften Wege und der Zustand des Lenné-/Meyer-Areals mit seinen Granitwürfeln waren für mich der Anstoß, mich an Politik und Verwaltung zu wenden. Tino Schopf MdA (SPD), über ein Direktmandat im Berliner Abgeordnetenhaus, führte dieses Anliegen mit der Initiativgruppe ‚Kunst und Gemüse’ zusammen, die für die Werneuchener Wiese ein Konzept für ein sozial orientiertes ‚Urban Gardening‘ Projekt für die ortsansässige Bevölkerung entworfen hatte. Aus dem Zusammenschluss heraus entwickelte sich ein Gesamtkonzept für ein Projekt Werneuchener Bürgerwiese‘, das im November 2017 von der BVV Pankow einstimmig beschlossen wurde. Es erging damit der Auftrag der BVV an die Verwaltung, es in Kooperation mit ortsansässigen Bürgerinitiativen und Interessierten zu verwirklichen. Wir engagierten Bürger nahmen bislang an einem einzigen gemeinsamen Gespräch mit Vertretern der zuständigen Ämter teil – im Dezember letzten Jahres. Die nächste Einladung an die Verfasser dieses Konzeptes erging für November 2018 – ein Jahr nach dem BVV-Beschluss! Dort sollen u.a. die Ergebnisse eines Bodengutachtens zur Werneuchener Wiese vorgestellt werden. Einen knappen Einblick in den Planungsstand für die Werneuchener Wiese erhielten die Anwesenden bei dem von Herrn …